Asset Management in Zeiten historisch niedriger Zinsen

21.06.12 15:17

„Krisenfest ist oberste Maxime“

Von Andreas Knoch

Wie investiert man am besten bei niedrigen Zinsen und wachsenden Risiken? Angesichts des aktuellen Umfelds müssen Treasurer neue Wege gehen. Karsten Kabas, Treasurer beim Pharmakonzern Merz, erklärt seine Strategie.

Wie viele Corporate Treasurer hat auch Karsten Kabas vom Pharmakonzern Merz ein Luxusproblem: Wohin mit dem Cash? In Zeiten negativer Realrenditen bei als (noch) sicher geltenden Anlagen ist Asset Management so herausfordernd wie nie. „Vor eineinhalb Jahren haben wir die Entscheidung getroffen, unser Exposure von Finanz- und Staatsrisiken weitestgehend in Unternehmensrisiken umzuschichten“, so Kabas.

Inzwischen ist die strategische Umschichtung vollzogen, und die freigesetzten Mittel wurden sukzessive in CP-Programme und sekundär verfügbare Bonds großer Industrieadressen allokiert. Die längerfristige Liquiditätsreserve wurde über die Teilnahme an Bond-Neuemissionen ebenfalls im Unternehmenssektor investiert.

Klare Treasury Policy für Investments

Karsten Kabas Merz

Karsten Kabas

„Im Vorfeld hatten wir für alle relavanten Themen und Prozesse eine konzernweit gültige Treasury Policy erarbeitet. Für den gesamten Investmentprozess haben wir hierbei allgemeine Richtlinien definiert und, davon abgeleitet, die strategische und taktische Assetallokation festgelegt“, erklärt Kabas. Übersetzt heißt das, Kriterien wie Mindestbonitäten, Kontrahentenlimite, Zielduration sowie die Branchen- und Länderallokation zu fixieren. So werden nur Investmentgrade-Emissionen im Benchmarkvolumen gezeichnet, um Bonitäts- und Liquiditätsrisiken zu minimieren.

Zur Führung des Portfolios, als Pricing- Quelle, zur Szenario- und Risikoanalyse sowie zum elektronischen Handel und zur Kommunikation nutzt Kabas Bloomberg. Gute Dienste leistet auch Bond Radar, ein Informationsdienst für Neuemissionen, mit dessen Hilfe man bereits an einigen deutlich überzeichneten Platzierungen erfolgreich teilnehmen konnte. Schnelligkeit, ein heterogenes Bankenportfolio und eine flexible, taktische Ordererteilung seien wichtig, um bei attraktiven Emissionen zum Zug zu kommen. Auch ein guter Draht zu den Konsortialbanken schade nicht, gerade wenn es um CP-Programme geht. „Mitunter treten wir sogar proaktiv an die Emittenten heran und stimmen frühzeitig ab, ob Positionen prolongiert werden können“, so Kabas.

Aktuell verfolgt der Treasurer eine Buyand- Hold-Strategie bei der längerfristigen Liquiditätsreserve, da der hohe operative Cashflow das Portfolio stetig anwachsen lässt und die Wiederanlage freigesetzter Mittel in der Regel mit geringeren Zinserträgen erkauft wird. Opportunistische Tradingaktivitäten sind aber nicht kategorisch ausgeschlossen – vor allem wenn es möglich ist, dadurch Qualität und Diversifikation des Portfolios zu verbessern oder temporäre Überbewertungen für Gewinnmitnahmen zu nutzen. Am Ende des Tages sei ein krisenfestes Portfolio im aktuellen Umfeld die oberste Maxime.

Knoch[at]derTreasurer.de