Interview mit Peter Radtke, Head of Corporate Finance & Treasury von Kuka

31.01.14 07:52

Kuka schließt neuen Club Deal ab

Von Sabine Paulus

Peter Radtke, Head of Corporate Finance & Treasury bei Kuka, spricht mit DerTreasurer über den gerade abgeschlossenen Konsortialkredit. Er hat ein komplett anderes Gewand als der syndizierte Kredit aus dem Jahr 2010.

Kuka schließt neuen Club Deal ab

Kuka

Der neue Konsortialkredit von Kuka ist vollständig anders gestaltet als der bisherige syndizierte Kredit aus dem Jahr 2010.

Der Roboterhersteller Kuka hat einen neuen fünfjährigen Konsortialkredit über 160 Millionen Euro abgeschlossen. Der Kredit enthält die Bürgschafts- und Garantielinien für das operative Geschäft des Augsburger Technologieunternehmens sowie eine Barkreditlinie, die als Back-up zur Verfügung steht, aber auch für Avale genutzt werden kann. Dieses neue Darlehen hat ein komplett anderes Gewand als der alte syndizierte Kredit aus dem Jahr 2010, der im kommenden März fällig geworden wäre.

„Der alte Konsortialkredit hatte alle Charakteristika einer Krisenfinanzierung“, sagt Peter Radtke, Head of Corporate Finance & Treasury bei Kuka. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei Kuka sind heute komplett anders, die alte Vertragsstruktur passte überhaupt nicht mehr zu uns.“ Die Geschäfte laufen wieder, was auch den Ratingagenturen gefällt. Der Roboterhersteller hat im vergangenen Jahr zwei Ratingupgrades erhalten. Moody’s stufte das Unternehmen im vergangenen August von B1 auf Ba3 hoch, Ausblick stabil, nachdem erst im Februar das Rating von B2 auf B1 angehoben worden war. Standard & Poor’s ging sogar noch einen Schritt weiter und setzte im Dezember 2013 den Ausblick seines ebenfalls Mitte 2013 zum zweiten Mal angepassten Ratings (BB-, Ausblick stabil) auf positiv.

Was sich alles im Konsortialkredit verändert hat

Peter Radtke

Peter Radtke

Diese positive Entwicklung spiegelt sich in dem neuen Konsortialkredit wider. So ist er im Gegensatz zum alten syndizierten Kredit unbesichert. Auch die Dokumentationsgrundlage hat sich verändert. „Der Kredit aus dem Jahr 2010 basierte auf dem Non-Investmentgrade LMA-Standard“, sagt Radtke. „Nun haben wir den Investmentgrade LMA-Standard als Dokumentationsbasis.“Die Kreditsprache ist Deutsch, nicht mehr Englisch. „Auch die Konditionen haben sich deutlich verbessert“, sagt der Kuka-Treasury-Chef. „Unsere Finanzierungskosten sinken signifikant.“ Weitere Details ließ sich Radtke allerdings nicht entlocken.

Das Volumen des neuen Konsortialkredits hat sich gegenüber dem alten syndizierten Kredit um 40 Millionen Euro verringert, was ausschließlich zu Lasten der Avallinie geht. Dafür ist der Basket für bilaterale Avallinien mit Kreditversicherern mit 100 Millionen Euro Radtke zufolge signifikant größer als zuvor.

Der Bankenkreis ist ebenfalls anders zusammengesetzt: Die Konsortialbanken sind von sieben auf fünf gesunken. Joint Bookrunner und Mandated Lead Arranger sind die Commerzbank und die Deutsche Bank, UniCredit und die LBBW agieren als weitere Mandated Lead Arranger. Die französische Großbank BNP Paribas ist als Lead Arranger neu mit an Bord.

Kuka gibt Neuausrichtung der Finanzierungstruktur letzten Schliff

Mit der jetzigen Refinanzierung des Konsortialkredits hat Kuka die Neuausrichtung seiner Finanzierungstruktur fast abgeschlossen. „Wir wollten unsere Finanzierungsstruktur ausgeglichener zwischen Banken, Kapitalmarkt und Kreditversicherern gestalten“, sagt Radtke. „Das ist uns jetzt gelungen.“ Dem Roboterhersteller stehen 150 Millionen Euro über eine Kapitalmarktfinanzierung (einen Convertible Bond) zur Verfügung, 160 Millionen Euro über Banken und 100 Millionen Euro über Kreditversicherer.

Der letzte Baustein der neuausgerichteten Finanzierungstruktur ist der Rückkauf der 8,75-prozentigen Hochzinsanleihe, die Mitte November dieses Jahres geplant ist. „Zum 15. November werden wir unser Call-Recht ziehen“, sagt der Treasury-Chef. Die Entlastung bei den Zinszahlungen liege bei rund 15 Millionen Euro im Jahr. „Die Belastung aus Zinsen und Avalgebühren wird ab 2015 auf 4 bis 5 Millionen Euro pro Jahr zurückgehen“, betont Radtke.

Integration von Reis und Roll-out des Treasury-Management-Systems

Doch zuvor sind noch zwei weitere Projekte zu stemmen: Die im Januar nach der kartellrechtlichen Freigabe mehrheitlich übernommene Reis Unternehmensgruppe muss in das Treasury von Kuka integriert werden. Beispielsweise wird sie als weiterer Teilnehmer in das Cashpooling des Roboterherstellers eingebunden. Auch die bestehenden Risiken aus Bürgschaften und Garantien werden von Kuka übernommen, neue Garantien werden in den Kuka-Linien herausgelegt.

Ganz besonders freut sich Radtke auf die Einführung eines professionellen, hochintegrierten Treasury-Management-Systems, dessen erste Stufe in dieser Woche ansteht. Kuka hat sich nach einem Auswahlprozess mit mehreren Anbietern für das System von Reval entschieden. „In dieser Woche schließen wir die Einführung in der Zentrale ab, dann folgt der internationale Roll-out.“ Mit diesem System ist Kuka auch Sepa- und Emir-ready. „Sepa ist für uns kein Thema mehr, das Projekt haben wir schon im vergangenen Jahr abgeschlossen.“

Auch bezüglich der neuen Anforderungen wegen Emir ist der Treasury-Chef optimistisch: „Wir sind nicht clearing-, aber reportingpflichtig. Wir müssen noch die Kommunikationswege absprechen, aber ansonsten sind wir lieferfähig.“ Allerdings ist er skeptisch, dass die Emir-Meldepflicht so reibungslos ablaufen wird, wie sich das die Aufsichtsbehörden vorstellen. „Die Transaktionsregister sind viel zu spät benannt worden.“

Paulus[at]derTreasurer.de

Das Treasury und der Treasury-Chef von Kuka

Das Treasury des Roboterherstellers Kuka besteht aus sechs Mitarbeitern und ist zentral aufgestellt. Peter Radtke verantwortet seit Ende November 2012 den Bereich Konzernfinanzierung und Treasury bei dem Augsburger Unternehmen. Zuvor war Radtke für den Handels- und Touristikkonzern Rewe tätig, den er Ende Juni 2012 verlassen hat. Vor seinem Einstieg bei Rewe war der gebürtige Wiesbadener seit 2005 als Group Director Finance & Banking bei der Fiege Holding Stiftung & Co. KG tätig. Zuvor leitete der studierte Wirtschaftsmathematiker fast vier Jahre lang als Konzerntreasurer den Bereich Finanzen bei dem Düsseldorfer Handelskonzern Metro. Seine Treasurer-Karriere begann Radtke 1999 bei Babcock Borsig in Oberhausen, wo er bis 2001 als Leiter Treasury arbeitete. Nachfolger von Radtke bei Rewe ist Klaus Wirbel.