Kapitalerhöhung von Lanxess: „Ein Equity-Deal ist ein CEO-Deal“

Lanxess

22.05.14
Persönlich & Personal

Lanxess: „Ein Equity-Deal ist ein CEO-Deal“

Christoph Koch, Treasury-Chef von Lanxess, spricht mit DerTreasurer über die erste reguläre Kapitalerhöhung des Spezialchemiekonzerns seit dem Spin-off von Bayer.

Kaum fünf Wochen im Amt, beginnt der neue Lanxess-CEO Matthias Zachert mit der Neuausrichtung des Spezialchemiekonzerns. Um die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen auch finanzieren zu können und die Investmentgraderatings zu stärken, hat Lanxess eine Kapitalerhöhung um 10 Prozent durchgeführt. „Es gab sicherlich alternative Zeitfenster, in denen wir die Kapitalerhöhung hätten durchführen können“, sagt Christoph Koch, Leiter Treasury bei Lanxess. „Der Vorstand hat sich dann aber für die schnelle Transaktion entschieden, um die anstehende Restrukturierung finanziell vorzubereiten.“

Mit der Kapitalerhöhung konnte Lanxess brutto rund 430 Millionen Euro einsammeln. Deutsche Bank und Bank of America Merrill Lynch waren die Konsortialbanken der Transaktion. Die Deutsche Bank unterstützte zusätzlich als Prozessbank insbesondere die Dokumentationsvorbereitungen und stand Lanxess als Diskussionspartner im Vorfeld der Transaktion zur Seite. „Das war unsere erste reguläre Kapitalerhöhung seit dem Spin-off von Bayer im Jahr 2004“, sagt Koch. „Da wir kein regelmäßiger Emittent sind, haben wir uns im Vorfeld sehr genau mit dem Prozess beschäftigt.“

Lanxess mandatiert Rothschild als Equity-Advisor

Zudem hat sich der Dax-Konzern weitere Expertise von außen geholt und einen Equity-Advisor mandatiert. „Rothschild hat den Prozess unterstützt und uns geholfen, die für uns richtige Transaktionsstruktur zu definieren und auch die höchstmögliche Prozesssicherheit herzustellen“, sagt Koch. Das Treasury hat gemeinsam mit Investor Relations, der Rechtsabteilung und dem Equity-Advisor die Transaktion vorbereitet und zusammen mit dem neuen CEO Matthias Zachert durchgeführt. „Ein Equity-Deal ist ein CEO-Deal“, sagt Koch. „Unsere Equity-Story trägt die Handschrift von Matthias Zachert.“ Der neue CEO ist Anfang April zu seiner alten Wirkungsstätte zurückgekehrt – Zachert war schon von 2004 bis 2011 Finanzvorstand des Spezialchemiekonzerns und kennt Lanxess sehr gut.

Angesichts der derzeit schwachen Geschäftszahlen – Lanxess musste im Geschäftsjahr 2013 wegen hoher Abschreibungen im Kautschukbereich einen Verlust von 159 Millionen Euro hinnehmen – plant der Spezialchemiekonzern eine Neuausrichtung: „Wir müssen wieder deutlich wettbewerbsfähiger und profitabler werden“, sagte Zachert auf einer Pressekonferenz. „Den Fokus legen wir deshalb auf das Geschäftsportfolio, unsere Business Units, die Effizienz unserer Verwaltung und unserer Produktionsstandorte.“

Neuausrichtung von Lanxess dauert mehrere Jahre

Zachert will unter anderem die Strukturen und Entscheidungsprozesse in der Verwaltung verbessern. Gleichzeitig analysiert er auch die Profitabilität der Standorte und denkt über mögliche temporäre oder dauerhafte Stilllegungen von Anlagen nach. Die Neuausrichtung wird Zachert zufolge zwei bis drei Jahre dauern, und in den nächsten ein bis zwei Jahren könnte Lanxess wegen der Umbaukosten auch mal rote Zahlen schreiben. „Von daher werden auch schlechte Nachrichten kommen“, glaubt der CEO.

Der Kapitalmarkt schätzt Zachert und glaubt daran, dass er die Neuausrichtung des Konzerns schaffen kann. Normalerweise führen Kapitalerhöhungen zu Kursverlusten, bei Lanxess hingegen stieg der Aktienkurs am Tag der Kapitalerhöhung sogar um 1,3 Prozent an.

Lanxess führt Kapitalerhöhung außerhalb der Börsenzeiten durch

Die Kapitalerhöhung von Lanxess wurde in einem sogenannten „Accelerated Bookbuilding“-Verfahren an nationale und internationale Investoren über Nacht platziert. „Es ist der optimale Weg, außerhalb der Börsenzeiten eine Kapitalerhöhung durchzuführen, um potentiellen Druck auf den Aktienkurs, unter anderem aufgrund eines möglichen Short-Sellings, zu vermeiden“, sagt Treasury-Chef Koch. Es hat funktioniert: Die rund 8,3 Millionen Stückaktien hat Lanxess zu einem Preis von je 52 Euro platziert, was einem Abschlag von nur 2,75 Prozent zum Vortageskurs entsprach. „Das ist für Lanxess ein tolles Ergebnis und ein großer Vertrauensbeweis des Kapitalmarkts“, resümiert Koch abschließend.

Trotz der Kapitalerhöhung hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) das Langfristrating für Lanxess zu Beginn dieser Woche von BBB auf BBB-, Ausblick stabil, gesenkt. Bei Moody’s, die Lanxess mit Baa2 bewertet, und Fitch, wo der Kautschukspezialist mit BBB beurteilt wird, stehen die Ratingausblicke auf negativ.

Paulus[at]derTreasurer.de

Christoph Koch leitet seit 1. März 2008 das Treasury bei Lanxess. Er ist seit Juli 2004 für den Spezialchemiekonzern tätig, wo er zunächst für die Abteilung Corporate Finance zuständig war.