Mittenhuber von Osram: „Wir wollten keinen Siemens-Klon aufbauen“

Jens Küsters, München

28.03.14
Persönlich & Personal

Mittenhuber von Osram: „Wir wollten keinen Siemens-Klon aufbauen“

Roland Mittenhuber, Corporate-Finance- und Treasury-Chef von Osram, spricht mit DerTreasurer über den Aufbau des Treasury im Zuge des Börsengangs. Dabei waren einige Herausforderungen zu bewältigen.

In den vergangenen knapp drei Jahren ist bei Osram viel passiert: Der Leuchtmittelkonzern musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, denn die Abspaltung von Siemens mit anschließendem Börsengang stand bevor. Der Plan traf besonders den Finanzbereich: CFO Klaus Patzak musste, um die operative Selbständigkeit zu gewährleisten, einige Funktionen komplett neu aufbauen. Andere Funktionen wie IT, Controlling und Accounting galt es zu stärken und eigenständig aufzustellen. Auch ein eigenes Treasury sollte der CFO aufbauen und eine selbständige Finanzierungsstruktur auf die Beine stellen. Dabei sollte ihm der damalige Siemensianer Roland Mittenhuber helfen.

„Ich habe diese Herausforderung gern angenommen“, sagt der Corporate-Finance- und Treasury-Chef von Osram. „Es war eine große Chance, Treasury-Prozesse im Spannungsfeld eines Börsengangs komplett neu zu gestalten.“ Als Mittenhuber im Juni 2011 für den Treasury-Aufbau zum Leuchtmittelkonzern wechselte, musste er dort bei null beginnen, da die Treasury-Aktivitäten der damaligen Tochter zentral über Siemens abgewickelt wurden. Der Zeitplan war extrem ambitioniert.

„Wir wollten nicht betriebsblind einen Siemens-Klon aufbauen“, erklärt Mittenhuber ohne Umschweife. „Übergeordnete Ziele wie globale Transparenz, durchgängige Prozessstandardisierung, maximaler Grad an Systemunterstützung und Control over Funds sollten in kosteneffizienten Lösungen, die zu unserer Größe passen, realisiert werden.“ Um herauszufinden, welche Standards und Strukturen ein Treasury in einem Unternehmen wie Osram mit einem Umsatz von rund 5,3 Milliarden Euro haben muss, hat der Leuchtmittelkonzern auf externe Hilfe zurückgegriffen und ein Benchmarking mit vergleichbaren Unternehmen durchgeführt. „Letztlich haben wir uns für die Zentralisierung entschieden“, sagt Mittenhuber.

Syndizierter Kredit als Anker in der Finanzierung von Osram

Auf dem Weg in die Unabhängigkeit war auch eine eigenständige Finanzierung für Osram essentiell. Hierfür vereinbarte der Leuchtmittelkonzern im Winter 2012/2013 einen syndizierten Kredit über 1,25 Milliarden Euro. 15 Banken haben an der Syndizierung teilgenommen und sind jetzt der neue Kernbankenkreis von Osram. „Dieser syndizierte Kredit ist der Anker für die Sicherstellung der notwendigen Finanzierungskraft und sichert nicht nur die aktuelle Transformationsphase im Lichtmarkt ab “, sagt Mittenhuber. Weitere Herausforderungen waren die systemseitige Trennung von der Mutter und der personelle Aufbau des Treasury-Teams bei Osram.

Bereits nach wenigen Monaten intensiver Arbeit konnte Mittenhuber im Rahmen des Gesamtprojektes die „Day-1-Readiness“ des Treasury vermelden und war damit fähig, „alleine schwimmen zu können“. Im Sommer vergangenen Jahres folgte der finale Schritt: Nach dem Spin-off von Siemens wurden die Aktien der Münchener Osram Licht AG zum ersten Mal am 8. Juli 2013 an den Börsen gelistet. Die Besonderheit daran war, dass Siemens seinen Aktionären die neuen Aktien im Verhältnis 10 zu 1 zuteilte. Im September folgte die Aufnahme von Osram in den MDAX.

Auch nach der Neuaufstellung von Osram geht dem Treasury-Chef die Arbeit nicht aus. Gerade die regulatorischen Anforderungen von Dodd Frank, Emir und Sepa beschäftigen das Osram-Treasury-Team wie viele andere Unternehmen auch.

Paulus[at]derTreasurer.de

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