Der neue SAP-Treasury-Chef Steffen Diel im Interview

27.03.15 08:08

Neue Anleihe: SAP löst Tranche von Concur-Brückenkredit ab

Von Desiree Backhaus

Der Softwarekonzern SAP hat eine Anleihe über 1,75 Milliarden Euro platziert. Mit DerTreasurer spricht der neue SAP-Treasury-Chef Steffen Diel über die Emission und das erste Rating des Dax-Konzerns.

SAP-Treasury-Chef Steffen Diel im Gespräch mit DerTreasurer

Jens Küsters

SAP-Treasury-Chef Steffen Diel im Gespräch mit DerTreasurer

SAP hat erneut am Bondmarkt zugeschlagen: Der Softwarekonzern platzierte diese Woche eine Anleihe über 1,75 Milliarden Euro. Der Bond besteht aus einer Zweijahrestranche über 500 Millionen Euro, die mit 17 Basispunkten über dem Dreimonats-Euribor verzinst wird, einer Fünfjahrestranche über 650 Millionen Euro (30 bps über dem Dreimonats-Euribor), sowie einer 600-Millionen-Euro-Tranche über zehn Jahre mit einem fixen Kupon von 1 Prozent. „Das ist der niedrigste 10-Jahres-Kupon eines deutschen Emittenten gemeinsam mit BMW“, erklärt der seit vergangenen Oktober amtierende Treasury-Chef Steffen Diel.

Damit hat der Dax-Konzern die Tranche A der Brückenfinanzierung für die Übernahme des Cloudspezialisten Concur über 4 Milliarden Euro nun komplett abgelöst. Bereits im November 2014 hatte SAP zu diesem Zweck eine Anleihe über 2,75 Milliarden Euro platziert. Die Tranche B der Brückenfinanzierung über 3 Milliarden Euro läuft drei Jahre. 500 Millionen Euro konnte SAP mit dem jetzt platzierten Bond bereits refinanzieren.

Auch die Emission eines US-Bonds hatten die Walldorfer geprüft, sich aber dagegen entschieden. Dank des im vergangenen September veröffentlichten Ratings steht dem Konzern diese ­Finanzierungsquelle nun zur Verfügung. Das Ratingprojekt hatte die SAP-Führung bereits Anfang des Jahres 2014 auf Vorschlag der Treasury-Abteilung angestoßen. „Es war eine strategische Entscheidung und hatte nichts mit der Concur-Übernahme zu tun“, sagt Diel, der vor seiner Beförderung zum SAP-Treasury-Chef rund acht Jahre für den Bereich Treasury ­Finance zuständig war.

SAP kann mit Rating Finanzierungskosten senken

Der Dax-Konzern ist jahrelang ohne Rating gut gefahren: Die Debütanleihe im März 2010 über 1 Milliarde Euro war mehrfach überzeichnet, die vierjährige Tranche wurde mit 2,5 Prozent, die siebenjährige mit 3,5 Prozent verzinst – für damalige Verhältnisse ein günstiger Kupon. Es folgten weitere Anleihen. „Trotz sehr guter Finanzierungskonditionen haben wir dennoch regelmäßig 20 bis 25 Basispunkte mehr gezahlt, als es unserer Kreditwürdigkeit entsprach“, erklärt Diel.

Der angepeilte „Business Case“, mit dem Rating die Finanzierungskosten zu senken, ging auf: „Als wir die Ratings – A von S&P und A2 von Moody’s – im September veröffentlicht haben, sind im Sekundärmarkt unsere Spreads sofort um 20 bis 25 Basispunkte zurückgegangen“, sagt Diel.

Dass der Ratingprozess und die Mega-Übernahme parallel abliefen, hatte Konsequenzen: Die Verschuldung von SAP schwoll im Zuge der Concur-Akquisition auf 11 Milliarden Euro an. „Darauf wollten wir die Ratingagenturen vorab vorbereiten“, sagt Diel. Auf anonymisierter Basis – der geplante Deal sollte keinesfalls frühzeitig durchsickern – hatte die Treasury-Abteilung zuvor die Implikationen für die Kapitalstruktur und die zusätzliche Verschuldung mit Moody’s und S&P durchgesprochen. „So konnten wir sicherstellen, dass das Rating die geplante Verschuldung aufgrund des Deals schon berücksichtigt.“ Eine Herabstufung oder ein negativer Ausblick kurz nach der Veröffentlichung wäre bei den Investoren wohl nicht gut angekommen.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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