Bei Otto geht es über das Treasury hinaus

24.05.12 14:12

Otto Group: Mehr als Treasury

Von Sabine Paulus

Rechnungseingang, Zahlungsverkehr, Treasury-Aktivitäten, Kapitalmarkt und Creditor-Relations: Die Aufgabenpalette von Boris Jendruschewitz, Direktor Konzernfinanzen bei der Otto Group ist groß und geht weit über normales Treasury hinaus.

Otto

Otto – find‘ ich gut! Wer kennt diesen Slogan nicht? Der Handels- und Dienstleistungskonzern hat 123 Gesellschaften in 20 Ländern. Für Boris Jendruschewitz bietet der weltweit zweitgrößte Onlinehändler ein vielfältiges Aufgabengebiet. Er betreut als Direktor Konzernfinanzen, wie er selbst sagt, „alles rund um das Thema Cash“. „Bei uns ist der Bereich Konzernfinanzen weiter gefasst als in vergleichbaren Unternehmen.“ Die Themen Rechnungseingang, Zahlungsverkehr, Treasury-Aktivitäten, Kapitalmarkt und Creditor-Relations auf der nördlichen Halbkugel und künftig auch in Brasilien fallen in sein Ressort.

Insgesamt arbeiten 90 Mitarbeiter für ihn, von denen die meisten mit der Rechnungskontrolle betraut sind. Ein Bereich, der in anderen Firmen meist im Rechnungswesen angesiedelt ist. „Wir prüfen im Bereich der Kreditorenbuchhaltung jährlich fast eine halbe Million Rechnungen“, sagt Jendruschewitz. „80 Prozent der Rechnungen werden bei Otto automatisch bearbeitet.“ Die Kosten, die die Bearbeitung der restlichen Klärfälle verursachten, seien zum Teil allerdings sehr hoch. „Dafür haben wir das Controlling deutlich verbessert.“

Für dieses erfolgreiche Projekt wurde die Otto Group im Mai mit dem diesjährigen Controllerpreis des Internationalen Controller Vereins (ICV) ausgezeichnet. „Die Führung dieses breit aufgestellten Bereichs ist die größte Herausforderung meines Arbeitsalltags“, betont Jendruschewitz. „Auf der einen Seite leite ich den klassischen Finanzbereich, das Treasury, mit 25 Mitarbeitern. Gleichzeitig führe ich bei der Rechnungskontrolle einen Bereich, der durch Routinetätigkeit geprägt ist.“

Kontinuierliche Kommuniation zwischen Treasury und Controlling

Boris Jendruschewitz Otto Group

Boris Jendruschewitz

Treasury und Controlling haben naturgemäß immer mal wieder unterschiedliche Meinungen. „Der Finanzbereich denkt sehr stark in Cash, das Controlling in Profit“, sagt der Finanzexperte. „Besonders die Krisenjahre 2008 und 2009 haben gezeigt, dass ein reines Denken in EBT oder Ebit nicht immer ausreicht.“ Bei Otto sind die beiden Bereiche sogar in unterschiedlichen Vorstandsressort aufgehängt. Doch auf eine gute interne Kommunikation und Abstimmung wird – besonders seit der Finanzkrise – großen Wert gelegt. „Gerade bei der Liquiditätsplanung stimmen wir uns kontinuierlich mit dem Controlling ab“, sagt Jendruschewitz.

 

Auf der Finanzierungsseite sind die Hausaufgaben ebenfalls erledigt. „Mit dem im März platzierten Bond haben wir eine Finanzierungsstruktur, die der Otto Group Sicherheit gibt, egal welches der derzeit möglichen Szenarien eintritt.“ Jendruschewitz spielt mit seinem Team etwa die Szenarien zum Auseinanderbrechen der Euro-Zone gedanklich durch, doch: „Wir beschränken uns nicht auf ein Szenario, sondern wollen in allen Situationen schnell und professionell agieren können.“

Paulus[at]derTreasurer.de