Die erste Schuldscheinemission

12.04.12 14:10

Premiere bei Wacker Neuson

Von Sabine Paulus

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson hat erstmals ein Schuldscheindarlehen begeben. Thomas A. Woelk, Head of Corporate Treasury, erklärt, warum er sich nicht länger nur auf Bankkredite verlassen wollte.

Wacker Neuson hat erstmals ein Schuldscheindarlehen begeben.

Wacker Neuson

Wacker Neuson hat erstmals ein Schuldscheindarlehen begeben.

Unter der Regie von Thomas Woelk, Head of Corporate Treasury, ist es Wacker Neuson (Umsatz 2011: 991,6 Mio. Euro) bei seiner Premiere am Schuldscheinmarkt gelungen, insgesamt 120 Millionen Euro einzuwerben. Eine Tranche läuft fünf, die andere sieben Jahre, beide besitzen einen fixen Kupon. „Wir sind mit 75 Millionen Euro an den Markt gegangen“, sagt Woelk. „Aber die Nachfrage war so groß, dass wir die Gelegenheit genutzt haben, das Volumen deutlich aufzustocken.“

 

Mit dem Erlös will das Münchener SDAX-Unternehmen kurzfristige Finanzverbindlichkeiten in langfristige tauschen und fällige ursprünglich langfristige Aufnahmen ablösen. „Im vergangenen Jahr mussten wir unseren überraschenden Wachstumsschub von über 30 Prozent auf 991,6 Millionen Euro allein mit kurzfristigen Linien stemmen“, sagt Woelk. Das Working Capital ist auch aufgrund des Wachstums stark angestiegen. Der Baumaschinenhersteller will flexibel auf Aufträge reagieren können und jederzeit lieferfähig bleiben.

Schritt an den Kapitalmarkt

Thomas Woelk Wacker Neuson

Thomas Woelk

Angesichts der Vertrauenskrise im Finanzsektor wollte sich der Treasurer jedoch nicht mehr allein auf Bankkredite stützen. „Auch der Mittelstand muss sich diversifiziert aufstellen und somit auch den Kapitalmarkt mit einbeziehen“, glaubt der Corporate Treasurer. Wacker Neuson ist dieser Prämisse gefolgt und hat bei seiner Premiere eigenen Angaben zufolge gute Konditionen erreicht. Die Zeichnung erfolgte am unteren Ende der jeweiligen Vermarktungsspanne mit einem Kupon von 3,00 Prozent p.a. für die Fünfjahrestranche über 90 Millionen Euro und 3,66 Prozent p.a. für die Siebenjahrestranche über 30 Millionen Euro.

 

Bereits Ende 2010 hatte sich Woelk den Schuldscheinmarkt angeschaut. „Damals kam das für uns aber noch nicht in Frage“, sagt der Treasurer. Der Grund: „Es hätte sich vom Pricing her noch nicht so gelohnt, da der Basiszins des Schuldscheindarlehens um etwa 1 Prozent höher lag als jetzt.“ Aus heutiger Sicht haben die Münchener hinsichtlich des Midswap-Zinsniveaus den derzeitigen Tiefpunkt erreicht.

 

Als weiteren Pluspunkt für den Schuldschein sprach Woelk zufolge dessen schlanke Dokumentation. „Eine Anleihe ist zwar fungibler, jedoch lässt sich ein Schuldschein deutlich einfacher umsetzen.“ Der Investorenkreis beschränkt sich zu über 90 Prozent auf den deutschsprachigen Raum. Außereuropäische Investoren sind nicht vertreten. Die Commerzbank und UniCredit Bank haben die Transaktion begleitet. Nun kann sich der Münchener Baumaschinenhersteller ganz auf seinen Wachstumskurs konzentrieren.

Paulus[at]derTreasurer.de