Weiterbildung im Treasury

01.07.13 01:08

Treasurer bilden Mitarbeiter selbst aus

Von Sabine Paulus

„Training on the Job“ bildet die nach wie vor die Grundlage für die Arbeit im Treasury. Externe Maßnahmen werden immer häufiger als Ergänzung hinzugezogen.

Treasurer bilden Mitarbeiter selbst aus

iStock / Thinkstock / Getty Images

Treasury ist für viele Studienabsolventen noch ein Fremdwort – selbst in betriebswirtschaftlichen Studiengängen. Treasury-Abteilungen müssen deshalb viel Zeit in die Mitarbeiterentwicklung stecken, egal ob Konzern oder Mittelstand. „Für das Treasury wollen wir einen geeigneten Weiterbildungsmix aus allgemeineren Unternehmensinhalten sowie spezielle Treasury-Bausteine wie Prozesse, Risikomanagement und Kapitalmärkte ergänzt um notwendige Soft Skills vermitteln“, sagt Matthias Heiden, Head of Global Treasury bei SAP. Dabei folge die Weiterbildung des Walldorfer Softwarekonzerns generell dem „bewährten 70/20/10-Prinzip“, wie Heiden es nennt. 70 Prozent erfolge „on the Job“, 20 Prozent würden durch Kollegen im Zuge von Coaching Mentoring oder Shadowing vermittelt, 10 Prozent durch strukturierte Angebote wie Seminare, Workshops, E-Learnings und ähnliches.

Auch der Spezialchemiekonzern Lanxess und der Pharma- und Chemiekonzern Merck setzen auf Training on the Job, das durch interne Schulungen und externe Seminare begleitet wird. Eine nichtrepräsentative Umfrage unter leitenden Treasurern hat ergeben, dass die meisten externe Schulungen schätzen -  sei es, weil die notwendige Fachkompetenz im Unternehmen nicht gegeben ist, oder schlichtweg die Zeit fehlt. Viele der Befragten greifen dabei im deutschsprachigen Raum auf die Angebote des Verbands Deutscher Treasurer (VDT) oder der Beratung Schwabe, Ley und Greiner (SLG) zurück. International schätzen Treasurer die Lehrgänge des Treasurer-Verbands ACT in Großbritannien oder Bausteine des Certified Treasury Professionals (CTP) in den USA. Veranstaltungen von Banken, Asset Managern und Beratungshäusern runden das Bild ab.

Bis zu 2.000 Euro im Jahr für Weiterbildung

Weiterbildungsmaßnahmen werden im jährlichen Personalgespräch mit dem Mitarbeiter besprochen. Allerdings geht die Initiative in der Regel vom Teammitglied aus, das einen Vorschlag zur Weiterentwicklung machen sollte. Der Leiter Treasury prüft das Weiterbildungsangebot und genehmigt die Fortbildungsmaßnahme normalerweise selbst. Zwischen 1.000 und 2.000 Euro investiert eine Treasury-Abteilung dabei pro Mitarbeiter und Jahr in solche Maßnahmen, wie aus dem Markt zu hören ist. Nicht alle guten Angebote müssen etwas kosten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viele kostenlose Angebote gibt“, sagt Burkhard Wagner, Director Corporate Treasury von Gerresheimer, und ergänzt: „Durch die Nähe der Gerresheimer Zentrale zur Düsseldorfer Innenstadt haben wir viele Möglichkeiten, auch nur kurz auf eine Fachveranstaltung zu gehen.“

Viele Treasurer betonen, das Angebot sei in den vergangenen Jahren besser geworden und ihr Bedarf im Prinzip abgedeckt. Nachholbedarf gebe es bei Spezialthemen wie dem Management von Pension Assets in Industrieunternehmen. Kritisiert wird zudem das mangelnde Angebot der Hochschulen. „Ich würde mir wünschen, dass zunehmend Treasury-Elemente Einzug in die akademische Ausbildung an Hochschulen finden“, fordert SAP-Treasurer Heiden. „Sicher gibt es hier vereinzelt Elemente, die wertvolle Grundlagen vermitteln, wir stellen aber immer wieder eine gewisse Praxisferne fest.“ Zudem fänden sich spezielle Treasury-Bausteine wie Cash Management und Zahlungsverkehr häufig noch gar nicht in den Lehrplänen wieder. Viele Treasurer eignen sich diese Skills zum Beispiel im Rahmen einer Banklehre an und wechseln dann in die Industrie.

Paulus[at]derTreasurer.de