Turnaround mit erfolgreicher Refinanzierung abgeschlossen

27.06.14 08:52

Turnaround bei Nordex

Von Sabine Paulus

Der Windturbinenhersteller Nordex hat stürmische Zeiten hinter sich. Torsten Hinsche, Head of Corporate Finance and Treasury bei Nordex, spricht mit DerTreasurer über den mit der Refinanzierung abgeschlossenen Turnaround.

Turnaround bei Nordex

Klaus Lange, Berlin

Wieder in Windrichtung: Mit dem erfolgreichen Abschluss der Refinanzierung hat der Windturbinenhersteller Nordex den Turnaround abgeschlossen.

Torsten Hinsche leitet das Treasury und das Corporate Finance bei Nordex seit Herbst 2010. Seit seinem Einstieg war Treasury-Chef Hinsche stark gefordert. Als Spätzykliker spürt der Windturbinenhersteller erst mit deutlicher Verzögerung die Nachwehen der Finanzkrise. Da sich viele Banken aus Projektfinanzierungen herausgezogen haben, stand die gesamte Windbranche vor einer großen Herausforderung. Die ehemals gut gefüllten Orderbücher schmolzen langsam ab, wenige neue Aufträge kamen nach. „Wir litten damals wie die gesamte Windbranche unter massiven Überkapazitäten“, sagt Hinsche. Der Preisdruck hinterließ seine Spuren in der Bilanz.

Nordex hat Großteil des Geschäfts restrukturiert

Torsten Hinsche, Head of Corporate Finance and Treasury bei Nordex

Torsten Hinsche

Um diese Krise zu überwinden, entschied sich Nordex für eine konsequente Neuausrichtung und restrukturierte große Teil seines Geschäfts. Kernthemen waren dabei Produktkostensenkungen bei gleichzeitig erhöhten Investitionen in neue und effizientere Turbinen. Zum anderen startete der Windenergieanlagenhersteller ein systematisches Working-Capital-Management und schrieb sich eine neue Unternehmensstrategie auf die Fahnen. Die Maßnahmen griffen: 2013 konnte Nordex nach zwei verlustreichen Jahren wieder einen Konzernüberschuss von 10,3 Millionen Euro ausweisen.

Die positive operative Trendwende hilft dem Windturbinenhersteller, seine Finanzierungsstruktur mit verschiedenen Refinanzierungsschritten zu verbessern: Im Rahmen einer Kapitalerhöhung gibt Nordex im November vergangenen Jahres 7,4 Millionen neue Aktien zu einem Kurs von 10 Euro aus. Der erste Baustein der Refinanzierung glückt und spült 73,5 Millionen Euro in die Kasse.

Die Kapitalerhöhung gibt den nötigen Rückenwind für die nächsten Schritte: Finanz-Chef Hinsche konnte zusammen mit seinem Gruppenleiter Michael Mattig, der bei Nordex den Bereich Treasury, Transaction und Inhouse-Banking leitet, die bestehende, 2014 fällige Avalkreditlinie neu verhandeln. „Unsere positive Geschäftsentwicklung hat uns bei den Bankverhandlungen sehr geholfen“, sagt Hinsche. Der Windturbinenhersteller konnte das Volumen um 75 Millionen Euro auf eine Gesamthöhe von 550 Millionen Euro erhöhen. „Mit einer dreijährigen Laufzeit ist der neue Kredit wieder längerfristiger angelegt“, sagt Hinsche. Die alte Linie hatte wegen des Turnarounds und der Reorganisation von Nordex nur eine einjährige Laufzeit.

Zusätzlich konnte sich der Windturbinenhersteller noch einige operative Erleichterungen und günstigere Konditionen im Kredit sichern. „Unser Zinsaufwand reduziert sich durch die verbesserten Konditionen um bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr“, sagt der Treasury-Chef.

Nordex nutzt erstmals EIB-Darlehen

Der dritte und letzte Finanzierungsbaustein von Nordex ist ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank über 100 Millionen Euro für künftige Forschungs- und Entwicklungsleistungen. „Mit dem erfolgreichen Abschluss unseres ersten EIB-Darlehens sind unsere Refinanzierung und der Turnaround abgeschlossen“, sagt Hinsche.

Bei Nordex hat sich der Wind wieder gedreht. Den geplanten Investitionen steht nichts mehr im Wege. „Wenn es gut läuft, können wir diese Ziele schon zum Jahresende 2014 verwirklichen“, sagt Hinsche. Von Krise ist in der Hamburger Unternehmenszentrale keine Rede mehr.

Paulus[at]derTreasurer.de

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