20.09.12
Persönlich & Personal

„Wenige Treasurer haben Vielfliegerstatus“

Die Internationalisierung im Treasury ist noch nicht so weit vorangeschritten wie manche Treasurer vielleicht glauben. Doch gerade beim Umgang mit ausländischen Tochtergesellschaften ist Auslandserfahrung wichtig, meint Karl Markel von Treasury Executives 53°.

>> Herr Markel, wie international sind Ihrer Meinung nach die deutschen Corporate Treasuries aufgestellt?

<< Da muss man schon genau hinschauen. Auf den ersten Blick ist der Grad der Internationalisierung nicht immer erkennbar. In den Gesprächen mit den Treasury-Leitern wird man immer nur eine Sicht der Dinge dargestellt bekommen. Manch einer denkt zwar, man sei international, kommt aber aus den eigenen vier Wänden nicht heraus. Da wird es schwierig, einen persönlichen Kontakt zu den Landesgesellschaften aufzubauen. Das ist nur vor Ort möglich.

 

>> Wie viele Treasurer haben denn einen Vielfliegerstatus?

<< Auch aus eigener Erfahrung, dürften das nicht viele sein. Treasurer aus dem deutschsprachigen Raum reisen im Gegensatz zu ihren CFOs kaum. Häufig ist das auch eine Kostenfrage. Bei diesem Aspekt ist die Internationalisierung noch nicht so weit fortgeschritten.

>> Sollte ein Treasurer Auslandserfahrung mitbringen?

<< Ja, das ist sehr wichtig, da er mit vielen ausländischen Tochtergesellschaften zusammenarbeiten muss. Es fängt schon bei der Sprache an: Englisch setzt inzwischen jedes Unternehmen bei seinen Treasury-Mitarbeitern voraus, aber hilfreich sind auch Russisch, Chinesisch oder Indisch. Zunehmend drängen Investoren aus diesen Ländern auf den deutschen Markt. Da unterscheidet sich natürlich der Konzern vom Mittelstand: Bei den Konzernen fällt es deutlich leichter, Auslandserfahrung zu sammeln, da sie doch einige Subhubs in verschiedenen Ländern haben. Zunehmend werden auch in China oder in den USA Sub-Treasurys etabliert.

 

>> Glauben Sie, dass angesichts der Entwicklung am europäischen Arbeitsmarkt bald mehr Südeuropäer in deutschen Treasuries arbeiten?

<< Nein, das denke ich nicht. Spanier, Griechen oder Italiener sind bislang noch wenig präsent in deutschen Treasury-Abteilungen – eher noch in den Treasury-Abteilungen der ganz großen Unternehmen. Es gibt zwar keine arbeitsrechtlichen Hürden, aber es ist immer noch eine Seltenheit. Mitarbeiter aus Osteuropa sind hingegen häufiger anzutreffen: Sie machen in Deutschland eine Ausbildung und bleiben dann.

Paulus[at]derTreasurer.de