Marcel Otten erklärt im Gespräch mit DerTreasurer, wie er das Treasury des Wind- und Solarparkbetreibers fit für die Zukunft gemacht hat.

Encavis

17.09.19
Persönlich & Personal

Wie Encavis seinen Zahlungsverkehr neu aufstellt

Marcel Otten, Leiter Corporate Finance & Treasury bei Encavis, über die Digitalisierung der Zahlungsverkehrslandschaft bei dem Wind- und Solarparkbetreiber.

Rund 250 Tochtergesellschaften mit ungefähr 1100 Bankkonten bei 50 verschiedenen Banken in zehn europäischen Ländern: Das war die Ausgangslage, mit der sich Marcel Otten, Treasury-Chef des Wind- und Solarparkbetreibers Encavis (Umsatz 2018: 249 Millionen Euro) konfrontiert sah. "Es herrschte ein ziemlicher Wildwuchs", erinnert sich Otten, der Mitte 2016 vom Kölner Handels- und Touristikkonzern Rewe zu Capital Stage wechselte. Nach der Fusion mit Chorus Clean Energy wurde der Name in Encavis geändert.

Encavis verfolgt ein spezielles Geschäftsmodell

Die Vielzahl an Banken ist das Ergebnis des Geschäftsmodells des in Hamburg und München sitzenden Unternehmens: Encavis kaufte seit 2011 vermehrt kleinere Solar- und Windparks. Die Herausforderung: Das SDax-Unternehmen konzentriert sich dabei auf Akquisitionen von bereits fertig gebauten und ans Netz angeschlossenen Solar- und Windparks mit bestehender Non-Recourse-Finanzierung von teils lokalen Banken. De facto kaufe man also die Kontenstruktur der Targets mit ein, räumt Otten ein: "Da stößt ein zum Teil dezentrales System, bei dem in der Schublade der Operations Manager mehrere Tokens für das Online-Banking liegen, irgendwann an seine Grenzen."

Um die Verwaltung der Konten zu zentralisieren, entschied sich Encavis, die IT-Infrastruktur des Zahlungsverkehrs neu zu organisieren: "Wir haben im dritten Quartal 2018 mit dem Auswahlprozess begonnen, im Dezember unsere Entscheidung getroffen und im Januar 2019 ging es dann mit der Umstellung los", erklärt der Treasury-Chef den Prozess.

Encavis zentralisiert die Kontoberechtigung

Die Entscheidung fiel auf das Angebot des Softwareanbieters Treasury Intelligence Solutions (TIS). "Dass es eine multibankfähige Cloudlösung sein wird, stand für uns bereits früh fest", erinnert sich Otten. "Wir arbeiten auch viel mit externen Dienstleistern in den verschiedenen Ländern zusammen, die brauchen ebenfalls einen schnellen und einfachen Zugang."

Encavis will zudem mit dem neuen System den Folgen der Mitarbeiterfluktuation in den Tochtergesellschaften begegnen: Das vierköpfige Treasury-Team kann nun von Hamburg aus die lokalen Kontoberechtigungen steuern - hypothetisch auch außerhalb Europas in wenigen Minuten. Da die Banken dieses Konzept akzeptierten, sei wochenlanges Onboarding jetzt Geschichte, so Otten.

Bis Jahresende wollen er und sein Team alle Banken, mit denen sie Zahlungsverkehr betreiben, auf die Plattform gebracht haben. Derzeit seien etwa 70 Prozent der Häuser aufgesattelt: "Die 'Quick Wins' haben wir schon auf der Plattform, jetzt sind wir an den schweren Brocken dran", erklärt Otten. Dazu zählten vor allem britische und italienische Häuser. Für die ausländischen Banken hat sich das Unternehmen extra einen eigenen Swift-Anschluss zugelegt.

Encavis' Treasury ist auf Wachstum vorbereitet

Mit der Neuordnung des Zahlungsverkehrs will das Treasury-Team von Encavis nun die Voraussetzungen für das weitere Wachstum des Unternehmens schaffen. Zugleich hat das Digitalisierungsprojekt des Encavis-Treasury dem Unternehmen auch eine unerwartete Vereinfachung beschert: Die Personalabteilung arbeitete zur gleichen Zeit daran, die Gehaltszahlungen zu digitalisieren. HR schloss sich dem Treasury-Projekt an. "Seitdem laufen die Gehaltszahlungen ebenfalls sicher über TIS", berichtet Otten.

Auch wenn das Projekt laut Otten gut vorankommt und das Ziel, bis Jahresende fertig zu sein, realistisch sei, haben er und sein Team einiges gelernt. Otten erinnert sich: "Bei unserer Fusion 2017 haben wir die Stammdaten zu unseren Bankverbindungen händisch angelegt." Im Zuge des Projekts mussten die alten Daten daher noch einmal aufgeräumt werden: "Das hat uns drei Wochen zurückgeworfen." Sein Rat: "Bevor man ein solches Projekt anstrebt, sollte man für sauber gepflegte Stammdaten sorgen."

Ploner[at]derTreasurer.de