Standard Chartered Bank

30.07.18
Persönlich & Personal

Wie Standard Chartered mit Fintechs kooperiert

Standard Chartered hat eine neue Geschäftseinheit gegründet, um in Fintechs zu investieren und digitale Geschäftsmodelle zu testen. Im Gespräch mit DerTreasurer erklärt Transaktionsbanker Gautam Jain, was die Firmenkunden der britischen Großbank davon haben.

Die Digitalisierung treibt derzeit alle Banken um: Es gilt eine Vielzahl neuer Entwicklungen im Auge zu behalten und ihre Relevanz für das Banking zu beurteilen – von Blockchain über APIs bis hin zu Big Data. Zugleich erhöhen innovative Technologiekonzerne und agile Fintechs den Druck auf die Banken, die wiederum oft in hierarchischen Strukturen und veralteten IT-Systemen gefangen sind.

Um diese Herausforderungen zu adressieren, hat Standard Chartered vor einem halben Jahr eine neue Digitaleinheit gegründet. „SC Ventures fungiert als interner Innovations- und Fintech-Enablement-Berater für die gesamte Bank und entwickelt zukunftsorientierte Funktionalitäten“, beschreibt Gautam Jain, Managing Director bei Standard Chartered, den Ansatz. Die neue Einheit solle die Innovations- und Unternehmerkultur in der Bank fördern, aber auch in Fintechs investieren und neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln.

„Diese Ideen müssen nicht notwendigerweise innerhalb der Bank realisiert werden“, meint Jain. „Wir können auch potentiell mit Partnern zusammenarbeiten, um neue Unternehmen zu gründen und Beteiligungen an diesen Unternehmen zu übernehmen.“ Welches Budget der Einheit für ihre Beteiligungstätigkeiten zur Verfügung steht, will der Banker nicht verraten. Nur so viel: „Wir investieren strategisch, aber erwerben nur Minderheitsanteile.“

Standard Chartered sucht das nächste Ripple

Als Blaupause für die künftigen Venture-Aktivitäten von Standard Chartered gilt das Investment bei Ripple. 2016 waren die Briten bei dem Fintech eingestiegen, das den globalen Zahlungsverkehr mit Hilfe der Blockchain-Technologie beschleunigen will. Inzwischen können Firmenkunden von Standard Chartered zwischen Singapur und Indien sowie Thailand und Singapur über Ripple Geld in Echtzeit überweisen. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem Investment“, sagt Jain.

Die Briten wollen aber nicht alles auf eine Karte setzen und beteiligen sich daher auch an der GPI-Initiative von Swift. Der Finanznachrichtendienstleister strebt ebenfalls grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Echtzeit an, will dabei aber das bestehende Korrespondenzbanknetzwerk erhalten. Deshalb hat Swift – auch als Reaktion auf den Erfolg von Ripple – GPI ins Leben gerufen: „Beide Initiativen haben Vorteile für unsere Kunden, deshalb unterstützen wir beide“, sagt Jain.

Führende Köpfe der Venture-Einheit kommen aus dem GTB

Für die Venture-Einheit hat Standard Chartered insgesamt 50 Mitarbeiter in Singapur, Indien und Hong Kong angesiedelt. Die Wahl des Standorts kommt nicht von ungefähr: „Die Bank ist in den Emerging Markets stark aufgestellt und die Innovationskraft in den dortigen Märkten ist sehr ausgeprägt“, erklärt Jain.

Mit Jain und Alex Manson, dem Chef der Sparte, kommen die beiden führenden Köpfe aus dem Transaktionsgeschäft. Manson hat zuvor sogar das Global Transaction Banking von Standard Chartered geleitet. Das sei aber kein Signal, dass sich SC Ventures alleine auf die Bereiche Zahlungsverkehr, Cash Management und Trade Finance konzentriere, meint Jain: „Wir schauen uns alle Bereiche der Bank an.“

Allerdings gibt es gerade im Bereich des Zahlungsverkehrs viel Potential für den Einsatz neuer Technologien, wie ein Beispiel zeigt: „Die Bank hat in China eine neue Lösung entwickelt, um den Gebrauch von Bargeld auf der letzten Meile zu reduzieren“, erklärt Jain. Denn das Handling von Bargeld stelle für viele Unternehmen eine Herausforderung dar. „Deshalb hat Standard Chartered einen Service entwickelt, mit dem Verbraucher ihre Lieferung per Smartphone oder Mobilgeräte bezahlen können.“ Verwendet wird dabei die App des in China beliebten Messaging-Services We Chat. Zu den ersten Nutzern dieses Angebots gehören die chinesische Fluggesellschaft Juneyao Airlines sowie die China-Tochter des Schweizer Aufzugherstellers Schindler.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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