Refinanzierung der geplanten Wabco-Übernahme: ZF-Treasurer Alexander König blickt auf aufregende Monate zurück.

ZF Friedrichshafen

08.11.19
Persönlich & Personal

ZF spickt Bewährtes mit Neuheiten

Alexander König, der die Finanzierung, das Finanzcontrolling und die IR bei ZF Friedrichshafen verantwortet, hat mit DerTreasurer über die Refinanzierung der geplanten Wabco-Übernahme gesprochen.

Es war ein bewegtes Jahr für Alexander König. Der Treasurer von ZF Friedrichshafen musste zusammen mit zwei anderen Kollegen in den vergangenen Monaten neben dem Tagesgeschäft noch ein M&A-getriebenes Sonderprojekt stemmen. Denn der Automobilzulieferer vom Bodensee hatte im März angekündigt, den amerikanisch-belgischen Bremsenhersteller Wabco übernehmen zu wollen. Für einen Kaufpreis von 7 Milliarden US-Dollar erwirbt ZF den Wettbewerber des Münchener Konzerns Knorr-Bremse.

Für König, der als Vice President die Bereiche Finanzierung, Finanzcontrolling und Investor Relations verantwortet, und das Team mit Markus Federau, Leiter Finanzierung, sowie Charbel Chamoun, Leiter Investor Relations und Rating, startete die Arbeit bei der Wabco-Übernahme mit der Frage, aus welchen Bausteinen die dafür notwendige Akquisitionsfinanzierung bestehen sollte. „Wir haben verschiedene Varianten diskutiert, sind aber letztendlich immer wieder auf die TRW-Blaupause zurückgekommen“, verrät König.

Vor vier Jahren hatte ZF die größte Übernahme in seiner mehr als einhundertjährigen Firmengeschichte gestemmt. Für einen Eigenkapitalwert von rund 12,4 Milliarden Dollar kaufte ZF damals den US-amerikanischen Automobilzulieferer TRW Automotive. Zur Finanzierung der Übernahme hatte das ZF-Treasury zunächst den größten Schuldschein platziert, den je ein deutsches Unternehmen emittiert hat. Nach ein paar Wochen folgten Debütanleihen in Euro und US-Dollar.

ZF wollte Rückenwind des Schuldscheins nutzen

„Diese erfolgreichen Finanzierungen im Umfeld der TRW-Übernahme haben sich für uns bewährt, weshalb wir auch dieses Mal so vorgehen wollten“, so König. Im Herbst war es so weit: Anfang Oktober platzierte ZF einen Jumboschuldschein in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. „Da der Schuldscheinmarkt stabiler ist als der Bond-Markt, haben wir den Schuldschein zuerst platziert, um den positiven Rückenwind für die Anleiheemission nutzen zu können“, berichtet König.

Das Ergebnis: ZF konnte sein ursprünglich angepeiltes Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro deutlich ausweiten. Die tatsächlich eingesammelten 2,1 Milliarden Euro verteilen sich auf verschiedene Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren. Die durchschnittlichen Zinssätze liegen ZF zufolge für die Fixtranchen zwischen 1,1 Prozent und 1,8 Prozent.

Im Vergleich zur TRW-Übernahme gab es allerdings verschiedene Neuheiten bei der Schuldscheinplatzierung. Zum einen hat der Stiftungskonzern das erste Mal eine Roadshow in Asien durchgeführt, um seine Investorenbasis weiter zu diversifizieren. Zum anderen war die Einbeziehung sogenannter Forward-Tranchen und die Vermarktungsart neu.

Denn ZF platzierte den Schuldschein neben dem klassischen Wege auch über die beiden digitalen Marktplätze VC Trade und Debtvision. „Wir wollten erste Erfahrungen mit den digitalen Schuldscheinplattformen machen, um gegebenenfalls in Zukunft auch kleinere Volumina darüber abzubilden“, sagt Treasurer König.

Mit dem Schuldschein hatte ZF einen ersten Schritt zur teilweisen Ablösung des 7,3-Milliarden-Euro-Kredits getan, den zunächst J.P. Morgan gestellt hatte und der bereits im Mai unter ZFs Kernbanken syndiziert wurde. Wie bei der TRW-Übernahme vor vier Jahren folgten etwa zwei Wochen nach dem Schuldschein Euro-Anleihen über insgesamt 2,7 Milliarden Euro.

Wie ZF Friedrichshafen die Investoren überzeugt hat und warum der Stiftungskonzern diesmal nur den Euro-Bond-Markt angezapft hat, erfahren Sie im E-Magazin 21-2019.

Paulus[at]derTreasurer.de

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