Jens Küsters, DerTreasurer

21.09.16
Persönlich & Personal

ZF und Knorr-Bremse kämpfen um Haldex

Im Bieterstreit um Haldex geht es Schlag auf Schlag: Sowohl ZF Friedrichshafen als auch Knorr-Bremse wollen das schwedische Unternehmen für sich. Das rückt auch die Treasury-Abteilungen der beiden deutschen Bieter in den Fokus.

Es ist einer der spannendsten Übernahmekämpfe derzeit: Sowohl der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse als auch der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen wollen den schwedischen Bremsenhersteller Haldex übernehmen. Dabei geht es Schlag auf Schlag. Nur wenige Stunden nachdem Knorr-Bremse am vergangenen Freitag sein Übernahmeangebot für Haldex deutlich auf nunmehr 125 Schwedenkronen erhöht hatte, zog der Konkurrent ZF Friedrichshafen ebenfalls noch einmal nach.

Knorr-Bremse bietet den Haldex-Aktionären jetzt 5,53 Milliarden Schwedische Kronen, das sind umgerechnet fast 580 Millionen Euro. Inklusive der Nettofinanzverschuldung von Haldex, die Ende Juni 2016 bei 500 Millionen SEK (rund 52 Millionen Euro) lag, bewertet Knorr-Bremse die Schweden mit 632 Millionen Euro. Bei einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Geschäftsjahr 2015 von umgerechnet 35 Millionen Euro würde das Münchener Familienunternehmen damit ein stattliches Ebit-Multiple von rund 18x zahlen.

ZF Friedrichshafen bleibt dagegen trotz der jüngsten Erhöhung seines Übernahmeangebots für Haldex hinter der Offerte von Knorr-Bremse zurück. Der Automobilzulieferer bietet den Haldex-Aktionären lediglich 120 Schwedischen Kronen (SEK) je Aktie und baut damit auf seinen Vorteil, bereits alle kartellrechtlichen Freigaben in der Tasche zu haben, sollte der Deal zustande kommen. Der Verwaltungsrat von Haldex hat sich wegen der höheren Transaktionssicherheit für ZF ausgesprochen.

ZF-Treasury stemmte das größte Schuldscheindarlehen aller Zeiten

Unabhängig davon, welches deutsche Unternehmen den Übernahmekrimi um Haldex gewinnt – den Finanzabteilungen des Käufers wird eine Schlüsselrolle zuteil werden. Wie bei der milliardenschweren Übernahme von TRW Automotive durch ZF Friedrichshafen im Frühjahr vergangenen Jahres dürfte auch dieses Mal ZF-Corporate-Finance-Chef Ulrich Rüger seine Finger bei der Akquisitionsfinanzierung im Spiel haben, sollte ZF bei Haldex zum Zuge kommen. Er ist für die konzernweite Finanzierung des Unternehmens vom Bodensee verantwortlich. Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte Rüger einige spannende Projekte zu stemmen: Unter seiner Regie platzierte ZF mit 2,2 Milliarden Euro den bis heute größten Schuldschein, den je ein deutsches Unternehmen emittiert hat. Hinzu kam das erste externe Rating für ZF und die Debüts am Euro- und US-Dollar-Anleihemarkt.

Sigurd Dahrendorf von Knorr-Bremse hätte ein Anlageproblem weniger

Sollte hingegen Knorr-Bremse den Bieterkampf um Haldex gewinnen, dürfte Sigurd Dahrendorf, Leiter Konzernfinanzierung beim Bremssystemhersteller, in den Mittelpunkt rücken. Die Münchener, die seit längerem auf der Suche nach einem größeren M&A-Target sind, haben bereits angekündigt, den Deal aus den Barreserven finanzieren zu wollen: Das Familienunternehmen schiebt derzeit 1,4 Milliarden Euro liquide Mittel vor sich her. Gelänge die Haldex-Übernahme, hätte Dahrendorf ein Anlageproblem weniger. Erst kürzlich hatte das Ratinghaus Moody’s die Bewertung von Knorr-Bremse von A3 auf A2 angehoben. Standard & Poor’s sieht das Rating des Bremssystemherstellers bei einem glatten A.

Dahrendorf ist ein Urgestein bei Knorr-Bremse. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet der erfahrene Treasurer schon für das Münchener Familienunternehmen und hat in dieser Zeit miterlebt, wie es sich vom Sanierungsfall zum Weltmarktführer für Bremssysteme bei Schienenfahrzeugen gewandelt hat. Ab 1996 hat der heute 62-Jährige die Treasury-Abteilung aufgebaut. Stressen kann den erfahrenen Treasury-Experten so schnell nichts mehr. Dennoch dürfte er – wie Ulrich Rüger – auf einen Erfolg seines Unternehmens hoffen.

Paulus[at]derTreasurer.de

Mehr über die Projekte von Ulrich Rüger und Sigurd Dahrendorf erfahren Sie in den Titelgeschichten der DerTreasurer-Printausgaben 02/2015 und 03/2014, die Sie nach einer kurzen Registrierung im Archiv zum kostenfreien Download finden.