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08.04.19
Risiko Management

Algorithmen im FX-Handel bleiben umstritten

Algorithmus-Strategien gewinnen im Währungsmanagement an Bedeutung. Doch nicht alle Treasurer sind vom Potential der „Algos“ überzeugt.

Immer mehr Unternehmen entdecken die Vorteile von Algorithmen bei Devisentransaktionen. Dazu zählt auch der Softwarekonzern SAP. „Von unseren Kernbanken erhalten wir ohnehin sehr kompetitive Preise“, meint Andreas Hartmann, der in der Treasury-Abteilung von SAP unter anderem das Front-Office leitet. „Uns geht es beim Einsatz der Algorithmen deshalb primär darum, die Transaktionen ohne Markteinfluss zu platzieren – so wie es der FX Global Code vorsieht. Mit Algos ist das möglich.“

Denn hier entscheiden Computerprogramme, in welchen Losgrößen und Zeitabständen Transaktionen auf den Markt gebracht werden. Je nachdem für welche Algo-Strategie sich das Unternehmen entscheidet, lässt sich der Risikoaufschlag, den die Bank für den Transfer des FX-Risikos verlangt, deutlich senken oder sogar komplett vermeiden. So soll das Währungsmanagement günstiger werden.

SAP und BMW setzen auf Algorithmen im FX-Handel

SAP ist keinesfalls allein: Auch BMW und Siemens setzen Algorithmen ein, um die Kosten der FX-Absicherung zu senken. Insgesamt würden etwa 60 Prozent der Dax-Konzerne diese Modelle regelmäßig nutzen, meint Volker Anhäuser, Head of Global Market Sales Corporates bei BNP Paribas: „20 bis 25 Prozent aller Spot-FX-Flows unserer europäischen Firmenkunden kommen heute über Algorithmen.“ Der Banker führt die inzwischen „durchaus signifikante“ Verbreitung auf zwei Faktoren zurück: „Die Liquidität in vielen Märkten hat abgenommen. Das spüren die Unternehmen: Bei größeren Einzeltickets haben einige Treasurer erlebt, dass sie Marktpreise beeinflussen“, sagt Anhäuser. Hinzu komme ein Netzwerkeffekt: „Immer mehr Unternehmen probieren es aus, sind zufrieden und sprechen darüber.“

Bereits seit Jahren versuchen Banken vor allem ihren großen Firmenkunden den Einsatz von Algorithmen bei Devisentransaktionen schmackhaft zu machen. Das tun sie nicht ohne Grund: Schließlich kassieren sie für die Nutzung dieser Modelle Gebühren und können damit die durch Handelsplattformen gesunkenen Margen im FX-Geschäft zumindest teilweise kompensieren. Doch es gibt auch namhafte Skeptiker: So setzt etwa die Lufthansa bisher keine Algorithmen in der FX-Absicherung ein.

Warum das so ist, für welche Art von Währungsgeschäften diese Strategie Sinn ergibt und wie die Devisenhandelsplattform 360T auf Algorithmen reagiert, das erfahren Sie im Aufmacher des E-Magazins 7-2019.

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