Die Blockchain-basierte Trade-Finance-Plattform We.Trade steht vor dem Aus.

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08.06.22
Risiko Management

Blockchain-Plattform We.Trade beendet Aktivität

Die Blockchain-basierte Plattform We.Trade wird nicht fortgeführt. Damit wird die Anzahl der digitalen Handelsfinanzierungsnetzwerke kleiner.

Der Kreis der Blockchain-basierten Trade-Finance-Plattformen wird kleiner: Die Plattform We.Trade steht vor dem Aus. Wie das Netzwerk mitteilte, seien die Wachstumsraten „nicht groß genug gewesen“, um die „Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern“. Neue Investitionen seitens der existierenden Shareholder wären daher notwendig gewesen, um das Unternehmen in einer neuen Phasen der Entwicklung zu unterstützen. Solch eine Vereinbarung konnte aber laut We.Trade nicht erreicht werden. Deshalb habe sich die Unternehmensführung dazu entschlossen, die Unternehmensaktivitäten nicht fortzuführen.

„Die Schließung von We.Trade betrifft nur eine sehr begrenzte Zahl von Unicredit-Kunden, die alle rechtzeitig informiert wurden“, erklärte beispielsweise die Hypovereinbank auf Anfrage von DerTreasurer. Für die wenigen offenen Transaktionen, die derzeit in Bearbeitung seien, seien alternative Lösungen eingerichtet worden.

We.Trade ist eine Blockchain-Trade-Finance-Lösung, die die Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit aufgelegt haben. Diese war Anfang 2017 hoffnungsvoll gestartet, um die noch sehr papierbasierte Außenhandelsfinanzierung zu digitalisieren. Seitdem haben verschiedenen Bankkonsortien solche Initiativen gegründet. Kurz nach We.Trade folgte die Plattform Batavia, die jedoch im Herbst 2018 in We.Trade aufging. In jenem Jahr wurden auch die beiden Netzwerke Marco Polo und Voltron, das sich inzwischen Contour nennt, ins Leben gerufen.


Gründe für fehlenden Durchbruch der Plattformen

Indes ist der große Durchbruch für diese neuartigen Trade-Finance-Plattformen bislang ausgeblieben. Über einzelne Pilotprojekte sind die neuartigen Anbieter kaum hinausgekommen. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist die Digitalisierung vieler Behörden noch mangelhaft. Sie müssen aber in den Prozess integriert werden. Zum anderen hapert es oft an einer Gesetzgebung, die den Umgang mit der Blockchain-Technologie im Außenhandelsbereich regelt. Auch deshalb zögern wohl noch viele Unternehmen, solche Plattformen wie We.Trade zu nutzen.

Dies bestätigte Contour-Produktchef Joshua Kroeker kürzlich auch gegenüber unserer Schwesterpublikation FINANCE: „Das Interesse seitens der Unternehmen ist da, aber viele sind zurückhaltend ein Early Adopter zu sein, also vor ihrer Bank und ihren Gegenparteien beizutreten. Sie wollen noch abwarten, wie sich die Dinge entwickeln.“

Das ist jedoch die Crux an der Sache: Denn nur wenn ein Trade-Finance-Netzwerk groß genug ist, kann es den Beteiligten auch einen Mehrwert bringen. Das bestätigt auch die Hypovereinsbank: „Wir glauben nach wie vor, dass Blockchain-Lösungen eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung des Beschaffungswesens und der Handelsfinanzierung spielen können“, heißt es seitens der Münchener Bank. Die Technologie sei jedoch ein Wegbereiter und werde nur dann zum Marktstandard, wenn sie von einem klaren Rechtsrahmen und unter der Einbindung des gesamten Handelsfinanzierungs-Ökosystems begleitet werde.

Das das möglich sein wird, müssen die verbleibenden Trade-Finance-Plattformen Marco Polo und Contour nach dem Aus von We.Trade jetzt beweisen. Womöglich hilft ihnen das Ausscheiden des Wettbewerbers, ihre Position in dem neuen Bereich auszubauen.

Paulus[at]derTreasurer.de