Auch für deutsche Unternehmen dürften die Finanzierungskosten nach dem Brexit steigen.

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20.07.18
Risiko Management

Brexit lässt Finanzierungskosten steigen

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird die Kosten bei Finanzierungsverträgen auf Basis des englischen Rechts erhöhen. Auch deutsche Unternehmen werden mitunter tiefer in die Tasche greifen müssen.

Über die Form des Brexits wird derzeit hart verhandelt. An der Tatsache, dass der Austritt Großbritanniens kommen wird, zweifelt derzeit aber kaum einer. Betroffen sind Unternehmen, die Finanzierungsverträge basierend auf englischem Recht nutzen. Denn durch die Verzögerungen der Anerkennung und Vollstreckung in der justiziellen Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich infolge des Austritts Großbritanniens aus der EU müssen die Unternehmen insbesondere bei Konsortialkrediten und Derivaten mit zusätzlichen Kosten rechnen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Denkfabrik Londoner Kreis.

Für neue Transaktionen im Kreditmarkt auf Basis des englischen Rechts werden die Kreditkosten für die Realwirtschaft den Studienautoren zufolge ab April 2019 "im Schnitt um 49 Basispunkte oder 26 Prozent" steigen. Auch für neue unbesicherte Derivate ist demnach eine Kostenerhöhung in Höhe von 18 Prozent der aktuellen Spreads möglich. Nach Angaben des Londoner Kreises sollen davon "besonders die Bankfinanzierung bei Nicht-Investmentgrade Unternehmen und Private-Equity-Transaktionen sowie unbesicherte und langlaufende Derivatetransaktionen" betroffen sein.

Jurist: Nach Brexit gebe es keine Vertragsanpassungen

Auch deutsche Unternehmen werden diese Kostensteigerungen spüren, wenn auch weniger bei Konsortialkreditverträgen als bei Derivateverträgen. Denn: „Nur die Minderheit der deutschen Unternehmen haben Konsortialkreditverträge auf Basis des englischen Rechts abgeschlossen“, sagt Alexander Schilling, Associated Partner bei der Kanzlei Noerr.

Bei den Derivaten sieht das anders aus, da die meisten von ihnen auf Basis des englisch-rechtlichen Rahmenvertrags der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) abgeschlossen werden. „Wenn die Derivateverträge auf einem deutschen Rahmenvertrag basieren, ist der Marktzugang nicht so groß“, begründet Anwalt Schilling diese Entwicklung.

Nach dem Brexit werde es dem Jurist zufolge keine Anpassungen der Verträge geben. „Sie werden einfach auslaufen“, ist Schilling überzeugt. Und die Unternehmen können sich dann neu entscheiden, ob sie in den künftigen Verträgen englisches oder deutsches Recht zu Grunde legen wollen - abhängig auch vom endgültigen Ausgang des Brexits.

Paulus[at]derTreasurer.de

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