Starker Wahlabend für die SPD: Die Sozialdemokraten gewinnen im Bund, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

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27.09.21
Risiko Management

Bundestagswahl: Finanzvorstände bevorzugen diese Koalition

Deutschland hat gewählt, nun beginnt die heiße Koalitionssondierung. Welcher Konstellation geben Finanzvorstände den Vorzug?

So spannend war eine Bundestagswahl wohl schon lange nicht mehr. Wer folgt auf Angela Merkel? Wie schlagen sich CDU und SPD? Können Grüne und FDP ein Wörtchen mitreden und wenn ja, wie viel? Kommt die Linke noch mal in den Deutschen Bundestag, könnte gar ein Linksbündnis „drohen“?

Nach der gestrigen Nacht herrscht Gewissheit, das vorläufige Ergebnis liegt vor: Olaf Scholz hat mit seiner SPD eine fulminante Aufholjagd gewonnen und sichert sich 25,7 Prozent. Es war ohnehin ein starker Tag für die Sozialdemokraten, die sich noch die knappe Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus und die deutliche Mehrheit im Schweriner Landtag sicherten. Manuela Schwesig bleibt dort Ministerpräsidentin, erstmals mit direktem Votum der Wähler.

Die CDU erhielt hingegen einen ziemlichen Dämpfer und konnte sich nur 24,1 Prozent der Stimmen sichern. Vor allem Kanzlerkandidat Armin Laschet agierte zuletzt glücklos und sank in der Gunst der Wähler. Dennoch hat er jetzt die Chance, mit den Grünen und der FDP eine sogenannte Jamaika-Koalition zu bilden. Am Wahlabend noch rief er selbst den Auftrag zur Regierungsbildung in dieser „Zukunftskoalition“ auf.

Unter Führung der SPD wäre eine Ampel-Koalition, also die Koalition mit FDP und Grünen möglich. Aber Sozialdemokraten und Union könnten auch eine große Koalition fortsetzen, dieses Mal unter Leitung der SPD. Das wäre aber eher die Ultima Ratio, falls ein Dreierbündnis scheitert. Grüne und FDP haben dieses Mal die Trümpfe in der Hand und können den neuen Kanzler „machen“.

CFOs bevorzugen Jamaika-Koalition

Und welche Konstellation bevorzugen Finanzvorstände deutscher Unternehmen? Wie eine (nicht-repräsentative) Umfrage der Schwesterpublikation FINANCE unter rund 80 CFOs erbracht hat, steht ganz klar Jamaika auf dem Wunschzettel. CDU mit FDP und Grünen wäre die Kombination, mit der CFOs am besten leben könnten. Sie könnten sich auch gut eine Koalition von CDU und FDP vorstellen, die aber keine Mehrheit gefunden hat.

Die beiden anderen möglichen Varianten - Ampel und große Koalition - schneiden deutlich schlechter ab. So erhält die Konstellation SPD/Grüne und FDP nur 8 Prozent, eine erneute Auflage der GroKo lediglich 4 Prozent.

Finanzmärkte reagieren entspannt auf Wahlausgang

Welche Koalition das Rennen macht, werden die kommenden Wochen zeigen. „Auch wenn die Unsicherheit darüber wie die finale Regierung aussieht noch länger anhalten dürfte, können Anleger und Unternehmer aufatmen, denn ein rot-grün-rotes Bündnis ist vom Tisch“, sagt Bernd Meyer, Chefanlagestratege und Leiter Multi Asset im Wealth & Asset Management von Berenberg. „Stattdessen ist die Position der liberalen, marktfreundlichen FDP gestärkt, ohne die, abgesehen von der Neuauflage der großen Koalition, keine Regierung gebildet werden kann.“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert in einem Statement des Bankenverbands: „Auch wenn die Ausgangslage herausfordernd ist: Deutschland braucht nun schnell Klarheit, wer die kommende Bundesregierung stellt.“ Je eher die neue Koalition arbeitsfähig sei, desto besser.

Die gesamten Ergebnisse der CFO-Umfrage finden Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE.

Dentz[at]derTreasurer.de