Nach Vorwürfen in London folgt nun Singapur

07.02.18 14:10

Commerzbank kämpft mit KYC-Verstößen

Von Sabine Paulus

Die Commerzbank ringt mit den steigenden Compliance-Anforderungen bei KYC-Prüfungen. Neben London soll es nun auch in Singapur zu Versäumnissen gekommen sein.

Die Commerzbank muss sich mit dem Vorwurf, in Singapur gegen KYC-Regeln verstoßen zu haben, auseinandersetzen.

Commerzbank AG

Die Commerzbank muss sich mit dem Vorwurf, in Singapur gegen KYC-Regeln verstoßen zu haben, auseinandersetzen.

Die Probleme der Commerzbank bei der Überprüfung von Firmenkunden im Rahmen der Know-Your-Customer-Vorschriften (KYC) weiten sich aus. Das Geldhaus habe nicht nur in London, sondern auch in Singapur gegen KYC-Regeln verstoßen und werde von den Aufsichtsbehörden deshalb genau beobachtet, berichtet das Handelsblatt in seiner heutigen Ausgabe unter Berufung auf mehrere mit dem Fall vertraute Personen. Die Verfehlungen im südostasiatischen Stadtstaat seien zwar nicht so gravierend wie in London, aber die Bank nehme das sehr ernst, wird ein Insider dort zitiert.
 
Schon Ende vergangenen Jahres hatte die Commerzbank wegen Versäumnisse bei der Überprüfung ihrer Firmenkunden eine Rüge der britischen Finanzaufsicht FCA erhalten, berichtete ebenfalls das Handelsblatt Anfang Dezember. Die Maßnahmen zur Verhinderung von Finanzkriminalität in der Londoner Dependance seien mangelhaft, kritisierte demnach die FCA laut Finanzkreisen.

Die Commerzbank reagierte auf Anfrage von DerTreasurer darauf mit allgemeinen Aussagen: „Die Einhaltung von Gesetzen und regulatorischen Standards“ habe für die Bank „höchste Priorität“. Die Bank stelle „fortlaufend sicher, ihre Systeme, Prozesse und Kontrollmechanismen jederzeit entsprechend anzupassen“. Die Investitionen und personellen Ressourcen für Compliance seien in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden, erklärte ein Sprecher.

KYC: Kontoeröffnung wird für Treasurer immer komplexer

Die deutlich höheren Investitionen, die alle Banken treffen, gehen auf den verstärkten Kampf gegen Geldwäsche, Wirtschaftskriminalität und Terrorismus zurück. Die Anforderungen im Zusammenhang der KYC-Vorschriften sind in den vergangenen Jahren deshalb deutlich gestiegen. Insbesondere in den angelsächsisch geprägten Ländern wie den USA, Großbritannien und Singapur agieren die Finanzaufsichten zunehmend strenger.

Auch Treasurer bekommen diese steigende Regulierung zu spüren. Eine KYC-Prüfung kann häufig mehrere Monate dauern, selbst dann, wenn das Unternehmen bereits eine Geschäftsbeziehung mit der Bank unterhält. 500 Fragen müssen Treasurer bei einer Kontoeröffnung beispielsweise beantworten, früher waren es lediglich 30.

Hinzu kommt: Auch das Einsammeln der Daten, zu der Banken laut Gesetzgeber inzwischen verpflichtet sind, kann problematisch sein. Insbesondere die veralteten IT-Infrastruktur vieler Kreditinstitute können zu Versäumnissen führen. „Weil die Daten manuell erfasst werden und es kein konsolidiertes KYC-System gibt, kommt es zu Fehlern und doppelten Anfragen“, sagte ein KYC-Verantwortliche einer großen internationalen Bank beispielsweise bei einer Veranstaltung des Verbands Deutscher Treasurer (VDT) im vergangenen Frühjahr. Schon diverse Kreditinstitute haben in den vergangenen Monaten wegen Verstößen gegen Sanktions- oder Geldwäschevorschriften hohe Strafen hinnehmen müssen.

Geldwäscherichtlinie nimmt Treasurer und Banken in die Pflicht

Die 4. EU-Geldwäscherichtlinie hat die Anforderungen an Banken im vergangenen Sommer weiter verschärft, trifft aber auch die Firmenkunden selbst. Die Finanz- und Treasury-Abteilungen sind demnach jetzt verpflichtet, interne Vorkehrungen gegen das Risiko der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung zu treffen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 5 Millionen Euro. Um dem vorzubeugen, müssen Unternehmen nun beispielsweise eine Risikoanalyse durchführen und einen Geldwäschebeauftragten bestellen.

Paulus[at]derTreasurer.de

Know Your Customer, kurz KYC, ist für viele Treasurer zum Unwort geworden. Welche Herausforderungen die Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche, Wirtschaftskriminalität und Terrorismus mit sich bringen, erfahren Sie auf unserer Themenseite „KYC – Know your Customer“.