Wegen Corona werden die vorbereitenden Brexit-Pläne der deutschen Unternehmen durcheinander geworfen. C

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28.06.20
Risiko Management

Corona hemmt Brexit-Vorbereitungen

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen fühlt sich gut auf den Brexit vorbereitet. Dennoch wirkt sich das Coronavirus negativ auf die Lage der Unternehmen aus.

Die Coronakrise durchkreuzt bei einigen deutschen Unternehmen die Vorbereitungen auf den Brexit. Ein Drittel der Unternehmen, die eine wirtschaftliche Verbindung zu Großbritannien haben, fühlt sich von der Pandemie in ihren Plänen gehemmt. Das ergab eine Befragung unter rund 250 Unternehmen, die von Deloitte und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) durchgeführt wurde. Demnach schieben 28 Prozent der Befragten ihre Vorbereitungen wegen Corona auf, 6 Prozent fahren sie zurück.

Insgesamt zeichnen die Ergebnisse aber ein durchaus positives Bild: So hält die Hälfte der befragten Unternehmen trotz Corona an ihren Vorbereitungen fest oder verstärkt ihre Maßnahmen sogar noch. So kommt es auch, dass der Großteil sich gut bis sehr gut auf den Brexit vorbereitet fühlt. Allerdings fühlt sich auch ein Fünftel schlecht bis sehr schlecht gewappnet.

Brexit-Erwartungen unterscheiden sich stark

Großbritannien war zum 1. Februar 2020 offiziell aus der EU ausgetreten. Allerdings läuft bis zum Jahresende eine Übergangsphase, in der sich faktisch nichts ändert. In dieser Zeit wollen die EU und das Vereinigte Königreich über ein Abkommen für die künftigen Beziehungen einigen. Doch die Verhandlungen stocken mal wieder. Einigen sich die Kontrahenten nicht bis zum Jahresende, droht erneut ein No-Deal-Szenario.

Dass es soweit kommt, glaubten zum Zeitpunkt der Befragung von BDI und Deloitte im Mai 30 Prozent der Unternehmen. Sie erwarten keine rechtzeitige Einigung mehr und stellen sich daher auf einen harten Brexit ein. Durchaus erstaunlich ist, dass sich rund die Hälfte optimistisch zeigt: So setzt jeweils ein Viertel auf einen rechtzeitigen Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens beziehungsweise eine Verschiebung der Verhandlungsfrist. Letzteres hatte Großbritannien allerdings mehrfach ausgeschlossen. Weitere 18 Prozent erwarten ein Basisabkommen.

Bankwesen sieht Brexit kritisch entgegen

Die Unsicherheit hat Folgen: 38 Prozent befürchten hohe Schäden für ihr Unternehmen. „Europa ist den deutschen Unternehmen sehr wichtig, die Furcht vor einem Zerfall von EU als Folge des Brexit ist hoch“, kommentiert Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte, die Ergebnisse.

Besonders viele Sorgen machen sich die Banken, sie fühlen sich nicht nur relativ schlecht vorbereitet, sondern erwarten auch die höchsten Verluste in ihrem Bereich. Besonders optimistisch hingehen ist die Automobilindustrie – sie fühlt sich sehr gut vorbereitet und erwartet geringe Schäden.

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