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19.08.20
Risiko Management

Corona-Pandemie setzt Trade Finance zu

Die Erträge der Banken im Trade-Finance-Geschäft dürften in diesem Jahr erheblich einbrechen, rechnet die Internationale Handelskammer vor. Als Wachstumsfeld haben die Banken derweil Supply Chain Finance auserkoren.

Die Coronakrise belastet weltweit das Trade-Finance-Geschäft der Banken, grundsätzlich bleiben die Finanzinstitute aber optimistisch mit Blick auf die Handelsfinanzierung. Das zeigt die jährliche Umfrage der Internationalen Handelskammer (ICC), an der dieses Mal 346 Banker aus 85 Ländern teilnahmen. Der überwiegende Teil kam dabei aus Westeuropa (32 Prozent) und der Region Asien-Pazifik (30 Prozent).

Demnach erwartet die Mehrzahl der Befragten in diesem Jahr einen Corona-bedingten Einbruch der Handelsströme um 20 bis 30 Prozent. Das wirkt sich auch die Erträge der Banken in der Handelsfinanzierung aus. Die Studienautoren haben drei Szenarien für den Effekt der Pandemie auf die globalen Trade-Finance-Erträge durchgerechnet. Im mittleren und aus Sicht der ICC wahrscheinlichsten Szenario – einer U-förmigen Erholung der Wirtschaft – würden die weltweiten Erträge von 46 Milliarden US-Dollar in 2019 auf 36 Milliarden Dollar in 2020 einbrechen.

Das wäre das niedrigste Niveau seit mehr als einer Dekade. Erst 2023 wäre demnach wieder der Ertrag von 2019 erreicht, für 2028 prognostiziert die ICC in diesem Szenario ein Trade-Finance-Volumen von 53 Milliarden Dollar.

Banken wollen mit Supply Chain Finance wachsen

Ganz generell verschieben sich die Prioritäten bei der Handelsfinanzierung. Kurzfristig setzt die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) zwar noch auf klassisches Trade-Finance-Geschäft – also Akkreditive und Garantien. Mittelfristig wird jedoch Lieferantenfinanzierung – also beispielsweise Reverse Factoring – zum wichtigsten Wachstumstreiber, glauben die Befragten. 86 Prozent haben Supply Chain Finance (SCF) als Wachstumsfeld für die kommenden drei Jahre auserkoren.


Die Folge: Der Anteil von SCF am gesamten Trade-Finance-Volumen wird voraussichtlich deutlich steigen. Heute liegt er bei den meisten befragten Häusern (52 Prozent) lediglich zwischen 0 und 5 Prozent. Bis 2025 rechnen 38 Prozent damit, dass SCF 15 bis 30 Prozent der Erträge ausmachen werde, weitere 17 Prozent erwarten einen Anteil von 30 bis 50 Prozent.

KYC-Vorgaben als größtes Hemmnis für Trade Finance

Ähnliches Potential gibt es der Studie zufolge bei der Digitalisierung der Handelsfinanzierung. Fast 84 Prozent nennen den Ausbau von Technologie- und Plattformkapazitäten als strategischen Fokus für die kommenden drei Jahre.

Die größte Hürde für Trade Finance bleibt dagegen wie in den Vorjahren die Einhaltung von Geldwäsche- und KYC-Richtlinien. 63 Prozent der Befragten sind darüber extrem besorgt, fast ebenso viele über Sanktionsregime (61 Prozent). Zum Vergleich: Steigender Protektionismus löst nur bei einem Drittel der Befragten ähnliche Besorgnis aus.

Buchholz[at]derTreasurer.de