Aus, aus und vorbei: Nachdem bekannt wurde, dass Refinitv und die London Stock Exchange über eine Komplettübernahme verhandeln, schickt die Deutsche Börse ihre FXall-Übernahmepläne auf die Halde

Deutsche Börse

29.07.19
Risiko Management

Deutsche Börse begräbt FXall-Übernahmepläne

FXall und 360T kommen wohl doch nicht unter ein Dach: Die Deutsche Börse rechnet nicht mehr damit, die Devisenhandelsplattform FXall übernehmen zu können. Die Londoner Börse hat die Eschborner ausgebootet.

Die Deutsche Börse wird die Devisenhandelsplattform FXall voraussichtlich doch nicht übernehmen. Wie die Eschborner in einer Ad-hoc am Wochenende mitteilten, rechne man nicht mehr mit einem erfolgreichen Abschluss der Gespräche mit der FXall-Mutter Refinitiv. Damit dürfte die Verschmelzung des Angebots von 360T und FXall, die seit April im Raum stand, vom Tisch sein.

Stattdessen könnte der 360T-Wettbewerber nun in die Hände der Londoner Börse (LSE) fallen: Im Laufe des Wochenendes zeichnete sich ab, dass die Refinitiv-Gruppe mit der LSE über eine Gesamtübernahme verhandelt. Der Gesamtumfang der Transaktion beliefe sich auf voraussichtlich 27 Milliarden US-Dollar (rund 24,3 Milliarden Euro). Für die Deutsche Börse kam dagegen nur eine Teilübernahme der FX-Geschäfte von Refinitiv in Frage.

Zu Refinitiv gehören neben FXall noch zwei weitere Währungshandelsplattformen. Die frühere Financial-Risk-Sparte von Thomson Reuters gehört seit dem vergangenen Oktober zu 55 Prozent dem Finanzinvestor Blackstone. Auch Thomson Reuters ist weiterhin beteiligt.

FXall ist deutlich größer als 360T

Damit erhalten die FX-Expansionspläne der Deutsche Börse einen schweren Dämpfer. Denn mit dem Kauf FXalls hätte der Dax-Konzern sein elektronisches Devisenhandelsgeschäft deutlich ausbauen und damit wichtige Kostensynergien heben können. Während 360T im vergangenen Jahr pro Tag durchschnittlich 69,2 Milliarden Euro handelte, lag das Handelsvolumen von FXall früheren Angaben von 360T-Chef Carlo Kölzer etwa doppelt so hoch.

Beide Plattformen decken allerdings nur einen Bruchteil des stark fragmentierten Devisenmarktes ab. Denn weltweit werden pro Tag im Schnitt FX-Geschäfte in Höhe von sechs Billionen US-Dollar gehandelt, allerdings nur ein Teil davon elektronisch über Plattformen.

Zugleich hätte die Deutsche Börse mit einem Deal auch die internationale Reichweite von 360T ausgebaut. Denn FXall ist vor allem in den USA stark vertreten. 360T zählte 2018 insgesamt 1.100 Corporate-Kunden, FXall 2.000, wie die Anbieter gegenüber DerTreasurer erklärten. Auf deutsche Firmen beschränkt, dominierte 360T klar: 300 Unternehmenskunden in Deutschland zählte 360T damals im Vergleich zu FXalls 20.

Die Deutsche Börse hatte 360T im Sommer 2015 für 725 Millionen Euro übernommen. Anfänglichen Befürchtungen von CFOs und Treasurern zum Trotz, dass die Integration des Start-ups in den Dax-Konzern Probleme verursachen würde, sind die Finanzverantwortlichen zufrieden mit der Leistung 360Ts, wie eine Umfrage von DerTreasurer im Sommer 2018 ergeben hatte.

ploner[at]dertreasurer.de

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