Zweifel an Objektivität von WM/Reuters Fixings

01.07.13 01:15

Devisenkurse unter Manipulationsverdacht

Von Andreas Knoch

Die britische Finanzaufsicht untersucht angebliche Unregelmäßigkeiten bei WM-Reuters-Fixings. Treasurer sollten bei größeren Devisentransaktionen direkt an den Markt gehen.

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Die WM/Reuters-Fixings sollen manipuliert worden sein.

Nach den systematischen Manipulationen wichtiger Referenzzinssätze müssen Corporate Treasurer jetzt auch die Objektivität von Wechselkursen in Zweifel ziehen. Nach Informationen von Bloomberg haben sich Händler über Jahre hinweg im Vorfeld offizieller Devisenfixings untereinander verständigt, um die Chancen auf Beeinflussung der Kurse zu erhöhen. Betroffen davon sollen die WM/Reuters-Spotrates sein, die von World Markets, einer Tochter von State Street, und Thomson Reuters berechnet und verbreitet werden. Die Kursdaten, die seit 1993 berechnet werden, werden vor allem von Asset Managern zur Portfoliobewertung genutzt, finden mittlerweile aber auch als Benchmark, beispielsweise bei Derivategeschäften, marktbreite Anwendung.

Frontrunning: Untersuchungen laufen

Inzwischen untersucht die britische Finanzaufsicht den Fall. Sie prüft den Vorwurf des sogenannten Frontrunnings, einer illegalen Handelspraktik, bei der Devisenhändler mit Blick auf bevorstehende Kundenaufträge vor den offiziellen WM/Reuters-Fixings Wechselkursgeschäfte auf eigene Rechnung abgeschlossen haben sollen. World Markets betonte in einem offiziellen Statement zwar, dass „der Prozess zur Ermittlung und Berechnung der Kursdaten automatisiert und anonym ablaufe und die Daten auf ihre Qualität hin überprüft werden“. Allerdings sind Fixings prinzipiell anfällig für Manipulationen – vor allem dann, wenn es zum Zeitpunkt der Preisfeststellung an der Liquidität mangelt.

„Gerade bei größeren Transaktionen sollten Treasurer daher direkt an den Markt gehen und sich nicht auf Benchmarks wie Devisenfixings verlassen“, empfiehlt der Vorstand einer unabhängigen Handelsplattform nicht ganz uneigennützig. Inzwischen würde der Markt auch große Beträge kursschonend absorbieren. Zudem würden die meisten Handelsplattformen zumindest in einem bestimmten Zeitfenster eine Best-Price-Execution garantieren.

Knoch[at]derTreasurer.de