S&P rechnet mit schwächeren Bonitätsnoten

03.09.13 09:38

Die Kreditqualität in Europa sinkt

Von Andreas Knoch

Die Bonität europäischer Unternehmen ist nach Ansicht von S&P weiter auf dem Rückzug. Schwachen Schuldnern dürfte insbesondere die Zinswende zusetzen.

ThyssenKrupp

S&P ist für die Stahlbranche besonders pessimistisch gestimmt. Dort bestünden die größten Cashflowrisiken.

Die Bonität europäischer Unternehmen ist nach Ansicht von Standard & Poor’s weiter auf dem Rückzug. Das geht aus einem aktuellen Researchbericht der Ratingagentur hervor. So waren im zweiten Quartal dieses Jahres 56 Prozent aller Ratingaktionen Downgrades. Insbesondere im Subinvestmentgrade habe es in den vergangenen Quartalen deutlich mehr Abstufungen als Aufstufungen gegeben. Unter dem Strich ist der Ausblick für mehr als zwei Drittel der insgesamt 27 S&P-Sektoren negativ oder stabil bis negativ. Besonders pessimistisch ist S&P für die Sektoren Stahl und Rohstoffe gestimmt. Dort bestünden die größten Cashflowrisiken und damit einhergehend negative Ratingaktionen. Positiv bewertet S&P lediglich den Sektor Luftfahrt & Verteidigung. Vor diesem Hintergrund rechnet die Ratingagentur auch nicht mit einem nennenswerten Rückgang der Ausfallraten im Subinvestmentgrade. Diese lag im ersten Quartal bei 6,7 Prozent und damit deutlich über dem historischen Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Neben den sich eintrübenden Wachstumsaussichten sieht S&P als zusätzliches Risiko für europäische Unternehmen die sich abzeichnende Zinswende in den USA. So liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen aktuell nur noch wenige Basispunkte unter der Marke von 3 Prozent und hat sich damit seit Anfang Mai fast verdoppelt. Bonitätsstarke Schuldner seien wegen des nach wie vor günstigen Kapitalmarktumfelds und der insgesamt überschaubaren Liquiditätsnachfrage zwar weniger betroffen. Bei bonitätsschwachen Schuldnern sehe das jedoch anders aus. Die Finanzierungsbedingungen für diese Unternehmen blieben wegen der hohen Abhängigkeit von Bankkrediten problematisch. Zudem könnte eine steigende Anzahl von ihnen in den kommenden Monaten Probleme mit den vereinbarten Kreditklauseln bekommen, erwartet S&P.

Knoch[at]derTreasurer.de