JP Banner erwartet erstmal keine Euro-Dollar-Parität.

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11.12.23
Risiko Management

Doch keine Euro-Dollar-Parität in Aussicht

Nach der Zinswende wird das FX-Management neu bewertet. So wird vor allem das Zinsrisiko zur Herausforderung.

 

Bis vor einigen Wochen hatte JP Morgan eine Parität von US-Dollar und Euro zum Jahresende erwartet. Danach sieht es nun nicht aus, zuletzt rangierte der Referenzkurz mit 1,09 US-Dollar wieder auf deutlich höherem Niveau als noch im September oder Oktober.

JP Morgan geht nun nur noch bedingt von einer Parität aus, erklärt Johannes Banner, europäischer Leiter des Unternehmens- und Privatkundenvertriebs für Rates & FX bei der US-Bank. Er sieht zwei zentrale Treiber: „Entweder geht die Eurozone vor den USA in die Rezession oder die USNotenbank hebt noch zweimal die Zinsen an, ohne dass die EZB nachzieht.“ Derzeit signalisieren aber sowohl die Fed als auch die EZB eher eine Pause nach mehreren Zinsschritten.

„Die derzeitige Unsicherheit ist eine enorme Herausforderung für Treasurer und ihr FX-Management. Unternehmen haben deshalb ihre Hedging-Strategien zur Minimierung der neuen Risikosituation angepasst“, so Banner, der auch die Funktion Country Head of Sales and Marketing Germany, Austria, Switzerland innehat.

Währungsrisiko rückt in den Hintergrund

Seit der Zinswende sei ein weiterer Aspekt zurück auf der Risikomanagement-Agenda. Nachdem jahrelang der Fokus auf dem Währungsrisiko gelegen habe, stehe jetzt mit höheren Kupons und Kumulationseffekten wieder das Zinsrisiko an erster Stelle. „Unternehmen bemessen es mittlerweile weit stärker als das Währungsrisiko. Schließlich muss bei Anleihen der nun höhere Zinskupon über Jahre mehrmals gezahlt werden, das ist teurer als ein Devisenrisiko, das nur einmal realisiert wird“, erläutert Banner. Die meisten Hedging Policies der Unternehmen seien in Zeiten geringer Volatilität und von Niedrigzinsen aufgesetzt worden. Jetzt habe sich die Marktlage geändert, weswegen Treasurer die Policies aktualisieren sollten, empfiehlt er.

Zudem sollten Unternehmen prüfen, in welchen Ländern beziehungsweise Währungen sie hedgen, und gegebenenfalls das Setup anpassen. „Gerade im asiatischen Raum haben wir eine starke Liberalisierungsbewegung der Märkte gesehen“, so Banner. JP Morgan spreche derzeit mit fünf Unternehmen über Projekte in Malaysia und Thailand. „Viele Unternehmen hedgen noch mit lokalen Banken. Das ist aber nicht mehr nötig, denn inzwischen könnten dies auch Banken in Deutschland durchführen - und das Geld im Anschluss wieder nach Malaysia oder Thailand transferieren.“ Dies erhöhe die Effizienz und steigere die Transparenz und die Kontrolle der Cashflows am Headquarter in Europa erheblich.

s.backhaus[at]dertreasurer.de