Lufthansa

13.09.17
Risiko Management

Dollar-Schwäche: Treasurer ändern Hedging-Strategie nicht

Der überraschend starke Euro setzt deutschen Unternehmen zu. Erste Anzeichen dafür lassen sich in den Halbjahresberichten schon finden. Der Härtetest für die Hedging-Strategie steht aber noch aus.

Ende vergangenen Jahres herrschte unter den FX-Analysten weitgehende Einigkeit: Der Euro wird 2017 schwach bleiben. Die Ökonomen der Deutschen Bank prognostizierten sogar, dass die Gemeinschaftswährung Ende des Jahres nur noch 95 Dollar-Cent wert sein wird. Danach sieht es derzeit nicht aus: Seit Anfang Januar hat der Euro um rund 16 Prozent zugelegt und kratzt nun an der Marke 1,20 US-Dollar. Zuletzt hatte sich der Wechselkurs von Ende 2014 bis Mitte 2015 ähnlich rasant verändert - damals wertete der Dollar allerdings auf.

Während viele deutsche Unternehmen von der Euro-Schwäche profitierten, dürfte die überraschende Stärke der Währung die hiesigen Firmen nun treffen. Erste Indikationen gibt es bereits zum Halbjahr: So hat der starke Euro etwa die Lufthansa in den ersten sechs Monaten des Jahres 5 Millionen Euro des operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) gekostet. Merck geht inzwischen nicht mehr davon aus, dass Wechselkurseffekte sich im Gesamtjahr positiv auf die Umsatzerlöse auswirken. Ende letzten Jahres hatte der Chemie- und Pharmakonzern noch mit einem Umsatzplus aus Währungseffekten von 1 bis 2 Prozent gerechnet.

Der Härtetest für die Hedging-Strategie steht noch aus

Richtig durchschlagen wird die Dollar-Schwäche aber voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr. Einerseits laufen dann die noch zu günstigeren Kursen geschlossenen FX-Absicherungen aus. Andererseits kam ein Großteil der Abwertung auch erst zum Ende des ersten Halbjahres. Dass bislang kaum negative Währungseffekte zu sehen sind, spricht daher für eine in der Breite erfolgreiche Hedging-Strategie, die sich wenig von Analystenprognosen beeinflussen lässt. Der Härtetest steht aber noch bevor.

Treasurer reagieren nach wie vor gelassen auf die Entwicklung: „Unsere kurzfristig orientierte Sicherungsstrategie, die die Cashflows der nächsten drei Monate sichert, haben wir nicht geändert“, sagt der Treasury-Chef eines Dax-Konzerns, für den der US-Dollar die wichtigste Fremdwährung ist. „Einzige Ausnahme ist eine interne Dividende unserer US-Tochter, die wir ausnahmsweise bereits vor Ausschüttungsbeschluss gesichert haben.“ Allerdings bereitet der Konzern seine Investoren mit Sensivitätsanalysen auf negative Umsatz- und Ergebniseffekte vor. Auf der Finanzierungsseite hat das Unternehmen einen Natural Hedge - US-Dollar-Schulden stehen Vermögenswerten und Cashflows gegenüber.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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