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13.02.15
Risiko Management

Ein Jahr Emir: Das Leiden geht weiter

In dieser Woche erlebt die Emir-Reportingpflicht ihren ersten Jahrestag. Viele Treasury-Abteilungen kämpfen aber nach wie vor mit offenen Fragen. Derweil bereitet die europäische Wertpapierregulierungsbehörde Esma bereits eine Ausweitung der Reportingpflicht vor.

Vor fast genau einem Jahr ist die Emir-Reportingpflicht in Kraft getreten. Damals sorgte der Big Bang für viel Missmut in den Treasury-Abteilungen. Inzwischen hat sich der Meldeprozess in den meisten Firmen zwar eingespielt – auch deshalb, weil TMS-Anbieter ihre Systeme im vergangenen Jahr angepasst und die notwendigen Schnittstellen eingerichtet haben. Der Weg zum automatisierten Reporting war für viele Unternehmen allerdings zeitraubend und teuer. So hat die Treasury-Abteilung eines MDax-Unternehmens etwa 10 Prozent ihres Jahresbudgets in das Emir-Projekt gesteckt: „Da kommt man gegenüber dem CFO schnell unter Rechtfertigungsdruck“, sagt ein Treasury-Mitarbeiter des Unternehmens, der lieber anonym bleiben möchte.

Trotz hoher Investitionen kann von Routine in Sachen Emir aber keine Rede sein. So gibt es weiterhin einige Felder, bei denen Unternehmen nicht wissen, wie sie korrekt zu befüllen sind, oder für die die notwendigen Informationen fehlen. Ein solches Problemfeld ist etwa der Unique Trade Identifier (UTI): „Wer seine Trades nicht über elektronische Handelsplattformen abschließt, der ist in der Regel darauf angewiesen, dass die Bank den UTI rechtzeitig übermittelt“, sagt Christian Debus, Treasury-Berater bei KPMG. Tut sie das nicht, kann das Unternehmen entweder die Reporting-Deadline T+1 nicht einhalten – oder es muss zunächst falsch melden und die Meldung zu einem späteren Zeitpunkt zurückziehen und eine korrekte Meldung abschicken.

Auch die Time-Stamp-Felder, die angeben, wann der Trade abgeschlossen und bestätigt wurde, bereiten Treasurern Kopfzerbrechen: „Wir greifen bei langfristigen FX-Sicherungen auf den Telefonhandel zurück, weil elektronische Plattformen nicht liquide genug sind“, erklärt der Treasury-Mitarbeiter des MDax-Konzerns. Hier lasse sich kaum eine sinnvolle, mit der Gegenpartei abgestimmte Time Stamp ermitteln.

Esma plant Ausweitung des Emir-Reportings

Treasury-Abteilungen melden Geschäfte daher häufig nach bestem Wissen und hoffen, dass die Meldung bei den Transaktionsregistern ohne Beanstandung durchgeht. In vielen Fällen sind sie damit auch erfolgreich und dürften die derzeit laufende Compliance-Prüfung der Wirtschaftsprüfer gut überstehen. In einem Unternehmen soll der Treasurer allerdings schon vor den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates zitiert worden sein, um sich für einen aufgetretenen Mangel zu rechtfertigen.

Die Komplexität des Emir-Reportings dürfte eher zu- als abnehmen: Die europäische Wertpapierregulierungsbehörde Esma hat gerade Vorschläge zu einer Ausweitung des Reportings vorgelegt. Sie will die Qualität der Meldungen erhöhen, um den gesammelten Datenwust auswertbar zu machen. Derzeit soll die sogenannte Mismatch-Quote – also der Anteil der Meldungen, die sich der Meldung des jeweiligen Kontrahenten nicht zuordnen lassen – dem Vernehmen nach hoch sein. Die beiden führenden Transaktionsregister DTCC und RegisTR ließen Nachfragen zu ihren Quoten jedoch unbeantwortet.

Exklusiv: Die Vorschläge des Deutschen Aktieninstituts

Anders als die Esma sieht das Deutsche Aktieninstitut (DAI) den Schlüssel zur Erhöhung der Matchingquote in der Reduktion statt in der Ausweitung der Meldepflicht: „Der Detailgrad ist viel zu hoch“, kritisiert Norbert Kuhn vom DAI. „Der Regulator sollte sich fragen, welche Informationen er überhaupt benötigt.“ In einem noch unveröffentlichten Statement, das DerTreasurer vorliegt, schlägt das DAI vor, Felder zu streichen, die keine relevanten Informationen enthalten.

Außerdem solle nur ein Kontrahent das Geschäft melden. Bislang können Unternehmen das Emir-Reporting zwar an die Bank delegieren. Sie müssen dennoch prüfen, ob diese die Transaktion korrekt gemeldet hat. „Das sorgt bei vielen Unternehmen für Unsicherheit“, sagt Treasury-Berater Debus. „Wir empfehlen, regelmäßig Informationen von der Bank einzuholen und mit den eigenen Daten abzugleichen, und dies auch in den Delegationsverträgen zu vereinbaren.“ Außerdem fordert das DAI, das Reporting von konzerninternen Derivategeschäften abzuschaffen. „Bislang sehen wir jedoch nicht den Willen, das Emir-Reporting zu entschlacken“, sagt DAI-Experte Kuhn. Auf Treasurer könnte weitere Arbeit zukommen.

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