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23.04.20
Risiko Management

Esma plant umfassende Änderungen der Emir-Meldung

Das Emir-Reporting soll nach dem Willen der Wertpapieraufsichtsbehörde Esma umfassend geändert werden. Geplant sind nicht nur neue Meldefelder, sondern auch ein anderes Datenformat.

Die Wertpapieraufsichtsbehörde Esma plant weitreichende Änderungen an den Emir-Meldungen. So sieht ein Ende März veröffentlichtes Konsultationspapier der Esma unter anderem vor, dass 80 neue Meldefelder für Derivatetransaktionen eingeführt werden. „Zudem sollen 36 Felder stark angepasst werden. Als einheitliches Datenformat ist zudem künftig ISO20022-konformes XML geplant“, erklärt Adrian Obhof von der Beratung d-fine. Das bedeutet: Corporate Treasurer, Softwarehersteller und Transaktionsregister müssen sich auf Umstellungen gefasst machen.

Allerdings dürften diese Änderungen nach Einschätzung des Beraters erst 2022 in Kraft treten. Bis Juni haben Verbände wie etwa das mit Blick auf die Derivateregulierung Emir stets aktive Deutsche Aktieninstitut (DAI) nun Zeit, ihre Kommentare zu den Änderungsvorschlägen der Esma abzugeben.

Obhof schätzt die Chancen, größere Erleichterungen durchzusetzen, allerdings als eher gering ein: „Bei den vorgeschlagenen Änderungen handelt es sich um ein international abgestimmtes Vorgehen.“ Ziel der Regulatoren sei eine globale Harmonisierung der Derivateregulierungen sowie eine Verbesserung der Datenqualität.

Lagern Treasurer das Reporting doch aus?

Vor dem Hintergrund der umfassenden Änderungen an den Meldefeldern könnten auch einige Unternehmen ihre Herangehensweise an die Meldepflicht überdenken, glaubt Obhof. Seit der Emir-Reform im vergangenen Sommer können sich nicht-clearingpflichtige Unternehmen der Realwirtschaft (NFC-) von der Meldepflicht für konzerninterne Derivategeschäfte befreien lassen. 

Allerdings müssen Firmen, die diese Ausnahme in Anspruch nehmen wollen, für jede Tochtergesellschaft einen Antrag bei der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde stellen. Dieser Aufwand ist bislang vielen Unternehmen zu hoch. „Angesichts der geplanten Änderungen an den Meldefeldern könnte sich diese Einschätzung ändern", meint Obhof. Denn diese Änderungen müssten Unternehmen in ihren Meldesystemen abbilden.

Hinzu kommt: Ab dem 18. Juni haben NFC- die Möglichkeit, ihren Banken die Verantwortung für das Emir-Reporting zu übertragen. Dieses Wahlrecht war auch im Zuge der Reform im vergangenen Jahr eingeführt worden – und als Erleichterung für Corporates gedacht. In der Praxis wird es aber zumindest bei Großkonzernen kaum zum Einsatz kommen, glaubt Obhof: „Denn Derivategeschäfte zwischen zwei NFC- müssen weiterhin gemeldet werden – und auch solche Transaktionen gibt es."

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