Insbesondere die Autobranche ist von der Coronakrise betroffen: Euler Hermes hat den Versicherungsschutz für einige Unternehmen „mit schwachen Bonitäten“ bis zum Jahresende befristet.

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28.09.20
Risiko Management

Euler Hermes macht Drohung wahr

Euler Hermes hat den Versicherungsschutz für zahlreiche Unternehmen „mit schwachen Bonitäten“ bis zum Jahresende befristet. Wettbewerber wollen von diesem Rückzug profitieren.

Euler Hermes lässt seiner Drohung Taten folgen: Der Warenkreditversicherer hat in der Coronakrise den Versicherungsschutz für zahlreiche Unternehmen „mit schwachen Bonitäten“ bis zum Jahresende befristet. Das hatte die Allianz-Tochter in einem Kundenbrief angekündigt (siehe DerTreasurer 16/2020). Sie reagiert damit auf das Auslaufen des Corona-Schutzschirms für Warenkreditversicherer. Hintergrund: Der Bund übernimmt bis Jahresende eine Garantie für Entschädigungszahlungen von Euler Hermes, Coface, Atradius sowie R+V in Höhe von 30 Milliarden Euro. Im Gegenzug müssen die Versicherer 65 Prozent der Prämien abtreten.

Bonitäten von Grade 6 und schlechter betroffen

Nun hat sich herauskristallisiert, was Euler Hermes unter „schwachen Bonitäten“ versteht. „Wir beobachten, dass vor allem Bonitäten von Grade 6 und schlechter Limite befristet werden“, sagt Fabian Sarafin, Geschäftsstellenleiter des Kreditversicherungsmaklers GFL. Die Risikoklassifizierung von Euler Hermes reicht von 1 (sehr gut) bis 10 (sehr schlecht). Sarafins Beobachtung zufolge, die sich auf das eigene Kundenportfolio stützt, geht Euler Hermes bei der Limitbefristung „mehr oder weniger pauschal“ vor. „Das widerspricht dem Kerngeschäft eines Kreditversicherers, das darin besteht, Risiken abzuwägen und individuell zu prüfen“, ärgert sich der Makler.

Allerdings sei Euler Hermes wegen des „weitreichenden Marktechos“ wieder etwas zurückgerudert. So habe der Versicherer signalisiert, „für Einzelfälle“ Lösungen zu suchen. An der grundsätzlichen Maßnahme ändere sich aber nichts. Euler Hermes erklärte auf Anfrage, man äußere sich grundsätzlich nicht zu Vertragsbeziehungen mit Kunden oder zur Risikoanalyse der Abnehmer. Letztere erfolge aber „immer individuell und auf Basis einer Vielzahl an Faktoren“.

R+V will Marktanteile gewinnen

Die betroffenen Kunden haben ihre Warenkreditversicherungen indes zum Teil neu ausgeschrieben. „Ein Großteil der Kunden sucht jetzt nach Alternativen“, so Sarafin. Euler Hermes hatte betont, dass bei einer Verlängerung des Schutzschirms neu über den Versicherungsschutz der Betroffenen entschieden werde. Die Gespräche mit dem Bund sind inzwischen angelaufen. „Doch manch ein langjähriger Euler-Hermes-Kunde hat jetzt aus emotionalen Gründen gekündigt.“

Darauf reagiert der Wettbewerb: Laut Sarafin versucht vor allem R+V Marktanteile zu gewinnen. Im Gegensatz zu Euler Hermes seien die Wiesbadener bereit, höhere Schadensquoten zu akzeptieren. R+V wollte das nicht direkt kommentieren, erklärte aber, Warenkreditversicherungen seien derzeit ein „sehr gefragtes“ Produkt.

Buchholz[at]derTreasurer.de

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