Kreditversicherer ergreift Präventionsmaßnahmen / Noch kein Komplettausschluss der Branche

20.09.12 15:07

Euler Hermes: Gelb-rote Karte für Solarbranche

Von Andreas Knoch

Der Kreditversicherer Euler Hermes will Unternehmen aus der Solarbranche künftig genauer beobachten. Die Risikoportfolios sollen genau überwacht und im Einzelfall Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

Der Kreditversicherer Euler Hermes verliert die Geduld mit der Solarbranche.

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Der Kreditversicherer Euler Hermes verliert die Geduld mit der Solarbranche.

Der Kreditversicherer Euler Hermes zeigt Unternehmen aus der Solarbranche die gelb-rote Karte. In einer Maklermitteilung teilte der Branchenprimus jetzt mit, das Risikoportfolio stark überwachen und im Einzelfall Präventionsmaßnahmen ergreifen zu wollen. Die Kreditversicherungskunden aus der Branche würden in persönlichen Gesprächen über die Situation und mögliche Konsequenzen informiert.

Als Gründe nannte Euler Hermes die sich rasant verschlechternde Liquiditätssituation vieler Unternehmen, die in den vergangenen Monaten schon zu einer Vielzahl großer Insolvenzen in Deutschland geführt hat. „Das ist der Sargnagel für die Branche“, kommentierte ein Versicherungsmakler die Ankündigung des Kreditversicherers. Wenn Euler Hermes mit einem Marktanteil von 50 Prozent jetzt noch die Limite reduziere oder gar streiche, stünden bald weitere Insolvenzen bevor.

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Auch die Wettbewerber beobachten die Branche inzwischen sehr genau. Bei Coface beispielsweise unterliegen bestehende Engagements einem strengeren Monitoring. Neugeschäft wird nur noch sehr zurückhaltend gezeichnet. „Einen Komplettausschluss der Branche gibt es zurzeit aber nicht“, bestätigt ein Sprecher auf Anfrage.

Das Problem für die Kreditversicherer ist, dass die vorliegenden Bilanzen der Unternehmen aus dem Jahr 2011 noch relativ gut aussehen. Seitdem hat sich die Situation jedoch fundamental verändert. In großen Märkten wie Deutschland oder Italien sind die Subventionen entweder weggefallen oder drastisch gekürzt worden. Die Konsequenz sind Umsatzeinbrüche, Lagerentwertungen, Verzögerungen und Ausfälle von Projekten sowie Finanzierungsengpässe. Hinzu kommt die ruinöse Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber. „Das Zahlenwerk von 2011 liefert keinen Anhaltspunkt, wie das Unternehmen heute dasteht“, sagt Christoph Witte vom Kreditversicherer Delcredere. Witte registriert seit gut einem Jahr vermehrt Anfragen aus der Solarbranche, was auf das Verhalten der großen Kreditversicherer schließen lässt. Delcredere selbst habe aber nur ein marginales Exposure in der Branche und will das auch nicht ändern, so Witte.

Knoch[at]derTreasurer.de