Hedging-Experte Anhäuser: Treasurer sollten mehr auf Optionen setzen

03.02.15 08:00

Euro-Schwäche: Umdenken im FX-Hedging

Von Desiree Backhaus

Deutsche Unternehmen profitieren von der Euro-Schwäche. Treasury-Abteilungen stellt der Verfall der Gemeinschaftswährung jedoch vor Herausforderungen. Wie sich die aktuelle Lage auf das FX-Hedging auswirkt.

Hedging-Experte Anhäuser: Treasurer sollten mehr auf Optionen setzen

JChambers/iStock/Thinkstock/Getty Images

Wenn die EZB im März mit Staatsanleihenankäufen beginnt, dürfte der Euro weiter abwerten.

Der Euro verliert immer weiter an Wert. Mit 1,12 US-Dollar notierte er vergangene Woche auf einem 11-Jahres-Tief. Spätestens seit die EZB vor zwei Wochen angekündigt hat, ab März monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aufzukaufen, ist klar, dass sich dieser Trend nicht so schnell umkehren wird.

Die Euro-Schwäche, gepaart mit dem Absturz des Ölpreises, wirkt derzeit wie ein großes Konjunkturprogramm für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Doch wann und in welchem Umfang wird sich das tatsächlich in den Zahlen der Unternehmen widerspiegeln? Einen Großteil ihres Währungs-Exposures, das nicht über Natural Hedging abgedeckt ist, sichern Unternehmen mit Derivaten ab. „Sie haben also für die kommenden Monate Wechselkurse eingeloggt, die deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegen“,  sagt Volker Anhäuser, Leiter FX- und Zinsderivate bei der BNP Paribas in Deutschland. „Je höher die Hedging-Quote, desto weniger profitieren die Unternehmen jetzt von der Euro-Abwertung.“

Hedging-Quoten variieren zum Teil stark

Langfristige Planungssicherheit ist für die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen wichtiger als das kurzfristige Ausnutzen von positiven Wechselkursschwankungen. Die Absicherungsquoten und -zeiträume variieren jedoch je nach Unternehmen stark: Der Münchener Bremssystemhersteller Knorr-Bremse lässt etwa nur 5 Prozent des geplanten Währungsexposures frei floaten, 95 Prozent werden über drei Jahre hinweg schrittweise abgesichert. Auch die Lufthansa verfolgt diesen rollierenden Ansatz: Über 24 Monate werden 66 Fremdwährungen gehedgt, der durchschnittliche Sicherungsgrad liegt dabei in der Regel bei 50 Prozent. Je näher der Zeitpunkt des Cashflows rückt, desto höher ist der Absicherungsanteil.

Der Mainzer Logistiker JF Hillebrand, der in den USA sehr aktiv ist, sichert über 12 Monate insgesamt zwei Drittel des Exposures ab: „Wir verfolgen angesichts sehr politischer Märkte mit hoher Volatilität  grundsätzlich eine Strategie mit definierten Zielquoten und begrenzen deshalb erwartungsgetriebene – und damit letztlich spekulative – Ansätze“, sagt Ralf-Jörg Weigold, Vice President Global Treasury and Financing bei JF Hillebrand.

Nicht alle Unternehmen geben ihren Treasury-Abteilungen jedoch strikte Absicherungsquoten vor: Einer Studie der Bank of America Merrill Lynch zufolge verfolgten im Jahr 2013 insgesamt 38 Prozent der befragten Unternehmen aktive Hedging-Strategien, bei denen das Timing und die Sicherungsquote in bestimmten Bandbreiten variabel sind. Diese Unternehmen könnten nun ihre Absicherung zurückfahren, um von der Euro-Schwäche zu profitieren.

FX-Management: Optionen spielen große Rolle bei JF Hillebrand

Ob es tatsächlich so weit kommt, ist aber fraglich: Zwar rechnet die überwiegende Mehrheit der Banken angesichts der ultralockeren Geldpolitik der EZB und der längst nicht ausgestandenen Euro-Krise damit, dass die Gemeinschaftswährung weiter an Wert verlieren wird. Aber was ist, wenn es doch anders kommt? Auch 2013 haben viele schon auf einen fallenden Euro gesetzt. Letztlich blieb die Abwertung aus, weil die US-Notenbank Fed die Zügel doch weniger stark anzog als erwartet. „Dass der Euro so lange stark geblieben ist, hat auch viele Treasurer überrascht, die ihre Absicherungsquoten schon langsam haben auslaufen lassen“, sagt der Hedging-Spezialist Anhäuser. Einigen Unternehmen könnte das eine Lehre sein, die Absicherung nun nicht zu weit herunterzufahren. Erst recht, da auch in diesem Jahr die Zentralbanken eine wichtige Rolle auf den Devisenmärkten spielen werden.

BNP-Banker Anhäuser hält daher eine andere Strategie für sinnvoll, um sich die Chancen, die aus einer weiteren Euro-Abwertung entstehen könnten, nicht zu verbauen: „Unternehmen sollten neben Termingeschäften auch stärker Optionen mit in ihre Planung einbeziehen“, rät der Banker. Verliert der Euro an Wert, lässt das Unternehmen die Option verfallen und tauscht zum günstigeren Marktkurs. Treasurer Weigold teilt diese Einschätzung: „Wir sichern unser Währungsexposure etwa jeweils zu einem Drittel mit Forwards und Optionen.“ Durch diese Kombination von Termingeschäften, Optionen und offenen Positionen ergäben sich auch Möglichkeiten vom fallenden Euro zu profitieren.

Treasury-Abteilungen sind allerdings erfahrungsgemäß zurückhaltend gegenüber FX-Optionen. Viele schreckt die teure Prämienzahlung ab.

Backhaus[at]derTreasurer.de