Betrugs- und Korruptionsvorwürfe lähmen Flugzeugbauer

17.08.16 09:13

Exportfinanzierung von Airbus teilweise auf Eis gelegt

Von Sabine Paulus

Herber Schlag für Airbus: Der Flugzeugbauer bekommt derzeit für seine Exportgeschäfte keine Kreditabsicherungen in Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Für das Airbus-Treasury ist das problematisch. Es gibt kaum Alternativen.

Die Exportversicherungsagenturen in Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben die Kreditabsicherungen für Exportgeschäfte von Airbus vorläufig ausgesetzt.

Airbus S.A.S. 2016 - Foto von H. Goussé / master films

Die Exportversicherungsagenturen in Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben die Kreditabsicherungen für Exportgeschäfte von Airbus vorläufig ausgesetzt.

Die Behörden in Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben die Kreditabsicherungen für Exportgeschäfte des Flugzeugbauers Airbus vorläufig gestoppt. Hintergrund für diesen Schritt sind Ermittlungen des britischen Serious Fraud Office (SFO), das als Reaktion auf die Finanzkrise aufgebaut wurde und für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständig ist.

Die Anti-Korruptionsbehörde hat wegen „Betrugs-, Bestechungs- und Korruptionsvorwürfen bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte von Airbus“ eine Untersuchung eingeleitet. Die Vorwürfe beträfen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Vermittlern im Ausland, teilte die Behörde mit. Die Ermittlungen seien bereits im Juli eingeleitet worden. Weitere Details wollte die Behörde zum derzeitigen Zeitpunkt nicht nennen.

Die Unregelmäßigkeiten entdeckte Airbus selbst

Unternehmensangaben zufolge hat Airbus die Unregelmäßigkeiten selbst aufgedeckt. Die Informationen, die den Ermittlungen zugrunde liegen, habe das Unternehmen bereits im April an die zuständigen Behörden gegeben, heißt es in Medienberichten. Der Flugzeugbauer will die Kooperation mit der Anti-Korruptionsbehörde fortsetzen.

Den Berichten zufolge hatte die britische Exportfinanzierungsagentur UK Export Finance Unregelmäßigkeiten in alten Airbus-Anträgen auf Kreditunterstützung entdeckt. Infolgedessen setzte die Agentur die Unterstützung für Airbus-Auslieferungen im April aus. Bereits seit Januar würden keine neuen Lieferungen mehr abgesichert, heißt es weiter. Das Verbot betreffe alle Exportfinanzierungsabsicherungen, die in Großbritannien abgeschlossen würden. Die deutschen und französischen Exportfinanzierungsagenturen sind laut Medienberichten dem Beispiel der UK Export Finance gefolgt.

Airbus braucht Exportkredite zur Finanzierung

Airbus beansprucht Kreditlinien aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland, um seine europäischen Verkäufe abzusichern. Im vergangenen Jahr waren rund 6 Prozent der Auslieferungen von Airbus durch solche Exportkredite abgesichert, wie die Online-Plattform The Corporate Treasurer meldet. In einem schwierigen Marktumfeld wie beispielsweise während der Finanzkrise kann der Anteil dieser Exportfinanzierungen auch einmal 40 Prozent der Warenauslieferungen erreichen.

Airbus erklärte in einer Pressemitteilung, es sei Ziel, die Exportkreditversicherer im vierten Quartal 2016 wieder in die Finanzierung einzubinden. Dies sei schon vereinbart und der Prozess laufe, wird ein Unternehmenssprecher zitiert, weitere Details wollte er aber nicht nennen.

Airbus hat kaum Alternativen für Exportfinanzierung

Für Airbus ist das Einfrieren der Warenkreditversicherungen ein herber Schlag. Denn für den Flugzeugbauer ist es schwierig, Aufträge, die normalerweise mit abgesicherten Exportkrediten finanziert werden, über Alternativen abzubilden. Private Kreditversicherer oder staatliche Exportfinanzierungsagenturen anderer Länder können zwar eine Alternative sein. Aber auch das dürfte nicht einfach werden, da diese gegebenenfalls dem Beispiel der britischen, französischen und deutschen Agenturen folgen werden. Die Exportgeschäfte ohne solche Warenkreditversicherungen abzuschließen, würde Airbus ein erhebliches Ausfallrisiko bescheren. Dem Flugzeugbauer bleibt wohl nichts anderes übrig, als sein Compliance-Problem möglichst schnell aus der Welt zu schaffen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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