Zerbor/iStock/Thinkstock/Getty Images

26.02.18
Risiko Management

FX-Hedging: So reagieren Treasurer auf die Dollar-Schwäche

Die überraschende Dollar-Schwäche trifft deutsche Exporteure. Wer im Hedging vorgesorgt hat, profitiert. Mit dem Abschluss neuer Sicherungen halten sich Treasurer derweil zurück.

Frank Wentzell ist derzeit heilfroh, dass sein Unternehmen eine langlaufende Sicherungsstrategie fährt: „Wir haben unser US-Dollar-Exposure bis Ende 2019 mit unserer Zielquote durchgesichert“, sagt der Treasury-Chef des Industriedienstleisters Lahmeyer. Der Mittelständler aus dem hessischen Bad Vilbel plant und überwacht den Bau von Staudämmen, Kraftwerken und Hochspannungsnetzen in Ländern wie Katar, der Türkei, Angola oder Indonesien. Weil viele der lokalen Währungen schwankungsanfällig und mit Kapitalverkehrskontrollen belegt sind, versucht Lahmeyer möglichst überall in Euro oder US-Dollar abzurechnen - entsprechend hoch ist die Abhängigkeit vom Wechselkurs Euro-Dollar.

Lahmeyer verfolgt daher im Währungsmanagement einen rollierenden Macro-Hedging-Ansatz: „Wir sichern nach und nach zwei Drittel unseres Exposures über drei Jahre ab“, berichtet Wentzell. Ein Drittel des Währungsrisikos lässt der Mittelständler offen. Da Lahmeyer mit schlechter Zahlungsmoral zu kämpfen hat, bestünde sonst das Risiko einer Übersicherung. Durch die lange Vorlaufzeit konnte Wentzell nun bis Ende 2019 durchschnittlich Kurse von „deutlich unter 1,20 Euro-Dollar“ einloggen.

DZ Bank: Unternehmen halten sich bei FX-Hedging zurück

Im aktuellen Umfeld ist das nicht schlecht, erreichte der Euro vorvergangene Woche doch mit rund 1,26 US-Dollar den höchsten Wert seit Ende 2014. Seit Anfang 2017 verliert der Dollar gegenüber dem Euro immer weiter an Wert - und das obwohl die Mehrheit der Ökonomen mit einer Aufwertung des Dollars gerechnet und sogar die Euro-Dollar-Parität in Aussicht gestellt hatte.

Andere Unternehmen hat die Dollar-Schwäche dagegen kalt erwischt. Laut Roland Weiß, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts mit Firmenkunden bei der DZ Bank, haben sich insbesondere exportorientierte Mittelständler angesichts der Euro-Stärke zuletzt bei dem Abschluss von FX-Sicherungen etwas zurückgehalten: „Viele Unternehmen dürften daher eher am unteren Ende ihrer selbstgesetzten Spanne für den Hedge-Ratio angekommen sein und angesichts der weiterhin sehr positiven wirtschaftlichen Entwicklung Nachholbedarf haben.“ Der Banker vermutet, dass sich einige Firmen auch von der gut zwei Jahre währenden Seitwärtsbewegung des Euro-Dollar-Wechselkurses haben beeinflussen lassen.

In der Tat gibt es auf den ersten Blick wenig Anlass für eine Dollar-Abwertung. Die US-Wirtschaft läuft gut, die Zinsen jenseits des Atlantiks sind höher als im Euro-Raum. Die Commerzbank führt die Dollar-Schwäche vor allem auf die steigende US-Staatsverschuldung zurück. So dürften die Steuerreform und der kürzlich beschlossene Haushaltsrahmen zu deutlich höheren Haushaltsdefiziten führen. DZ-Bank-Analystin Dorothea Huttanus sieht die Gründe hingegen auf der Euro-Seite: Die geldpolitische Normalisierung der EZB und die robuste Konjunktur würden ein positives Umfeld für den Euro schaffen und zu einer Aufwertung gegenüber der US-Währung führen.

Warum die Dollar-Schwäche für den Dax-Konzern Henkel ein zweischneidiges Schwert ist und was Banker den Unternehmen in der aktuellen Situation raten, das erfahren Sie im Aufmacher des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie managen Unternehmen ihre FX-Risiken? Welche neuen Hedging-Ansätze gibt es? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Währungsmanagement.