Falschberatung bei Zinsderivaten

24.04.14 10:34

IKB muss Schadenersatz für Derivate zahlen

Von Andreas Knoch

Das Landgericht Düsseldorf hat die IKB zur Rückabwicklung von Derivategeschäften verurteilt. Wie andere Banken auch, hatte das Institut ihre Kunden nicht über den anfänglichen negativen Marktwert der strukturierten Produkte aufgeklärt.

IKB

IKB-Zentrale in Düsseldorf: Die Bank ist zur Rückabwicklung von Zinsswaps verurteilt worden.

Die IKB reiht sich ein in die Phalanx der Banken, die zur Rückabwicklung von Derivategeschäften verurteilt worden sind. In zwei Urteilen hat das Landgericht Düsseldorf die Mittelstandsbank nun zu Schadenersatz von knapp 8,5 Millionen Euro verurteilt. Hintergrund der Verurteilungen waren Zinsswaps, die die Bank unter dem Produktnamen CHF-Limes („Grenzwall“) bevorzugt an mittelständische Unternehmen verkauft hatte. Das Argument für diese Derivate waren Zinsoptimierungspotentiale; allerdings bergen die Produkte ein unbegrenztes Verlustrisiko. „Die IKB befand sich damit bei der Beratung in einem schwerwiegenden Interessenkonflikt gegenüber ihren Kunden“, heißt es bei der Anwaltskanzlei Rössner aus München, die verschiedene Mandanten in dieser und in ähnlich gelagerten Fällen vertritt.

 

 

Grundsatzurteil des BGH


Bereits im Jahr 2011 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass eine Bank über diesen Interessenkonflikt aufklären und ihren Kunden die genaue Höhe des aus der Strukturierung resultierenden anfänglichen negativen Marktwerts mitteilen muss. Geklagt hatte damals der hessische Mittelständler Ille, der durch den Abschluss eines Spread Ladder Swaps mehr als eine halbe Million Euro verloren hatte. In diesem Fall startete der Kläger mit einer „Hypothek“ von rund 85.000 Euro, die er erst aufholen musste. Die Marge – 4,5 Prozent auf den Nominalwert des Geschäfts – hatte die beklagte Bank vorher schon abgeschöpft. Davon wusste das Unternehmen jedoch nichts. Stattdessen hatte das Institut damit geworben, dass der Abschluss des Produkts kostenlos sei.

Vom Prinzip sind die von der IKB und von anderen Banken vertriebenen Produkte praktisch identisch. In Anwendung der BGH-Rechtsprechung hat das LG Düsseldorf die IKB nun zur vollständigen Rückabwicklung der Swaps verurteilt. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig; weithin wird davon ausgegangen, dass die IKB Berufung vor dem Oberlandesgericht einlegen wird. Gleichwohlt stehen die Chancen für die Geschädigten nicht schlecht. „Betroffene Kunden können unter Berufung auf die Düsseldorfer Rechtsprechung bestehende Schadensersatzansprüche gegen die Banken mit Nachdruck verfolgen. Die Entwicklung der Rechtsprechung weist nach anfänglichen Unsicherheiten mittlerweile eine ganz überwiegend positive Tendenz für Geschädigte auf“, heißt es bei der Kanzlei Rössner.

 

Knoch[at]derTreasurer.de