Was, wenn die Preise weiter steigen? Treasurer sollten die Risiken im Auge behalten.

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01.11.21
Risiko Management

Inflation: Blinder Fleck im Risikomanagement?

Die Inflation könnten länger anhalten als gedacht. Das hat Auswirkungen auf die Finanzabteilung: Treasurer müssen die Hedging-Strategie prüfen.

Die Inflation ist mit voller Macht zurück. Viele Experten gehen zwar davon aus, das sie in der Höhe von rund 4 Prozent in Europa nur ein Phänomen auf Zeit ist. Doch was, wenn die hohe Preissteigerung doch nicht vorübergehend ist? Volker Anhäuser, Head of Corporates, Global Markets Germany bei BNP Paribas, glaubt, dass einige Argumente gegen eine nur temporär erhöhte Inflation sprechen. Es gebe einige strukturelle Gründe, die dafür sorgen könnten, dass das Inflationsziel der EZB dauerhaft leicht überschritten werden könnte. „Betrachtet man die derzeitigen Störungen in der Lieferkette, so zeichnet sich keine schnelle Lösung ab“, argumentiert er. Die dadurch erzeugte Verknappung der Ware bei hoher Nachfrage wirke sich preissteigernd aus.

Darüber hinaus gehe am Markt der Trend eher weg von der möglichst billigen Produktion hin zu sozialverträglicheren Lösungen. „Diese Entwicklung, die die gesamte Wirtschaft durchzieht, steigert tendenziell die Preise“, sagt er. Letzter Punkt aus seiner Sicht: Auch die Energiewende, etwa im Hinblick auf die CO2-Bepreisung, wirke sich inflationstreibend aus. Der Risikomanagementspezialist schränkt aber ein: „Wirklich vorhersagen lässt sich das natürlich nicht. Wir geben keine Prognosen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren aus.“

Exposure gegenüber Inflationsrisiken prüfen

Treasurer sollten nun genau prüfen, welches Exposure sie haben. „Unternehmen, die ihre Preise gegenüber den Abnehmern gestalten können, haben bessere Karten gegenüber den Häusern, die das nicht können“, so der Experte. Aber abgesehen von den Risiken im eigentlichen Geschäftsmodell könne Inflation in weiteren Bereichen zum Problem werden. Dazu zählen etwa Refinanzierungskosten, inflationsgebundene Miet- oder Wartungsverträge sowie künftige Pensionszahlungen. „Gerade bei Defined-Benefit-Modellen gibt es ein indirektes Inflationsrisiko, da die Löhne bei einer andauernden Inflation mit anziehen und so die Kosten für die Unternehmen in die Höhe treiben“, sagt er.

Die Analyse von Inflationsrisiken sei umso wichtiger, da sie die wenigsten Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren gehedgt hätten. „Es gibt eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten: auf der Asset-Seite beispielsweise die Investition in inflationsgebundene Anleihen. Zudem gibt es viele Derivate-lösungen“, so Anhäuser. Ein Problem dabei: Viele Produkte sind an die europäischen Inflationsraten gekoppelt. Wer speziell eine Absicherung auf Basis von nationalen Inflationsraten sucht, der sollte mehr Zeit für den Abschluss einplanen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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