Thomas Epple spricht im Interview über das neue ESG-Preismodell für Finanzmarktprodukte bei der ING.

ING

25.05.22
Risiko Management

ING macht ESG-Kriterien zum Preisfaktor

Die ING koppelt seit Neustem das Pricing ihrer Finanzmarktprodukte an die ESG-Performance ihrer Firmenkunden. Thomas Epple spricht mit DerTreasurer über das neue ESG-Preismodell.

Herr Epple, die ING koppelt seit Neustem das Pricing ihrer Finanzmarktprodukte an die ESG-Performance ihrer Firmenkunden. Den Anfang macht dabei der Devisenhandel. Damit werden ESG-Kennzahlen für Ihre Firmenkunden erstmals preisrelevant, egal ob sie wollen oder nicht. Wie gehen Sie bei der Umstellung vor?
Das ist richtig. Wir beziehen künftig ESG-Kriterien in das Pricing bei allen Quotierungen mit ein. Das gilt für alle Unternehmen gleichermaßen, mit denen wir im Bereich Financial Markets eine Geschäftsbeziehung haben – unabhängig von ihren Verträgen.

Thomas Epple ist bei der ING als Head of Financial Markets Germany & Austria tätig.

Welche ESG-Kriterien berücksichtigen Sie denn beim Pricing?
Die wichtigsten Kriterien sind unter anderem das allgemeine ESG-Risiko des Unternehmens und des jeweiligen Sektors, das Abschneiden des Managements beim Thema ESG und potentielle Kontroversen. Diese Kriterien werden von uns gewichtet und zu einem ESG-Profil zusammengefügt. Wir haben bereits für all unsere Firmenkunden ein solches Profil erstellt. Dafür nutzen wir ausschließlich öffentlich zugängliche Daten.

Das bedeutet, Treasurer Ihrer Firmenkunden haben dadurch also keinen Mehraufwand.
Korrekt, aber unser Modell erhöht die Wichtigkeit der ESG-Daten und das Engagement der Unternehmen in diesem Bereich.

Preisvorteil kann laut Epple „durchaus spürbar“ sein

Was passiert denn mit denjenigen Firmenkunden, die keine öffentlich zugänglichen Daten zu ESG-Themen publizieren?
Für diese privaten Unternehmen gilt weiterhin das bisherige Preismodell für Finanzmarktprodukte – ohne direkten Einfluss an die zuvor erwähnten ESG-Kriterien. Wir erwarten aber durch die Taxonomie und die damit verbundenen Publizitätspflichten der EU, dass immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeitsdaten veröffentlichen werden.

Welche Preisdifferenzen ergeben sich im Rahmen des neuen Modells zwischen einem Unternehmen mit einem guten ESG-Profil und demjenigen mit einem schlechten?
Das lässt sich schwer konkretisieren, da wir beispielsweise im Devisenhandel, in dem unser Pilotprojekt bereits gestartet ist, viele verschiedene Währungspaare und verschiedene Laufzeiten unterschiedlich berechnen. Aber der Preisvorteil beziehungsweise -nachteil kann für die Unternehmen durchaus spürbar sein.

Sie möchten das ESG-Preismodell auch in anderen Anlageklassen ausrollen, etwa Zinsen. Wie sieht denn da Ihr Zeitplan aus?

Wir machen das Schrift für Schritt, aber in naher Zukunft wird es so weit sein.

ING will nachhaltige Firmenkunden gewinnen

Wie gehen Sie mit Firmenkunden um, die das neue Modell nicht gutheißen, weil sie dadurch eventuell schlechtergestellt werden?
Unser Ziel ist es, mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten und ihren Transformationsprozess zu unterstützen. Es kann dazu kommen, dass wir durch die Umstellung kurzfristig Geschäft verlieren –  wobei langfristig ESG auch bei anderen Banken und auch auf Kundenseite in die Preisgestaltung einfließen könnte.

Sie erhoffen sich dadurch, besonders nachhaltige Unternehmen als neue Firmenkunden zu gewinnen. Wie sehen da Ihre konkreten Ziele aus?
Wir erwarten in den nächsten Jahren im Vergleich zum klassischen Geschäft ein stabiles zweistelliges Wachstum.

Paulus[at]derTreasurer.de