Das bekannte KaDeWe meldet Insolvenz an.

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30.01.24
Risiko Management

Kadewe ist insolvent

Deutschlands bekanntes Luxuskaufhaus Kadewe meldet Insolvenz an. Schuld sollen die zu hohen Mieten an Signa sein.

Das bekannte Luxuswarenhaus Kadewe hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg gestellt. Die Kadewe Group GmbH will sich in Eigenverwaltung sanieren, wie das Unternehmen am gestrigen Montag bekanntgab. Neben dem Berliner Warenhaus sind auch das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München betroffen. Der Betrieb der Häuser soll nicht eingestellt werden und die bestehende Geschäftsführung um Michael Peterseim bleibt im Amt.

Dem Antrag wurde bereits stattgegeben. Als vorläufiger Sachwalter wurde Christian Graf Brockdorff von der BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft bestellt. Die Geschäftsführung der Kadewe Group wird durch die Rechtsanwaltskanzlei Finkenhof unter der Leitung von Stephan Strumpf als Generalbevollmächtigtem unterstützt. Die Kaufhaus-Gruppe zählt laut eigenen Angaben rund 1.700 Mitarbeiter.

Die Pleite des österreichischen Konzerns Signa hat damit eine weitere Tochtergesellschaft in ihren Insolvenzstrudel gezogen. Der Signa-Gruppe, die Ende vergangenes Jahr Insolvenz angemeldet hat, hält 49,9 Prozent der Kadewe Group, der Rest ist in Besitz des thailändischen Handelskonzern Central Group, hinter dem der Milliardär Tos Chirathivat steht.

Kadewe: Mietzahlungen sind zu hoch

Besonders bitter ist, dass das Warenhaus laut eigenen Aussagen im Geschäftsjahr 2022/23 das bisher umsatzstärkste Jahr verzeichnet hat. Der Umsatz lag mit knapp 728 Millionen Euro um fast 24 Prozent über dem Vor-Corona Jahr 2018/19.

Der Grund für die finanziellen Schwierigkeiten seien die zu hohen Mietzahlungen. Vor Mietzahlungen sei das Geschäft „deutlich profitabel“, nach Miete „jedoch deutlich nicht“. Die „exorbitant hohen Mieten“ sollen zur Insolvenz geführt haben. „Sie machen ein nachhaltig ertragreiches Wirtschaften nahezu unmöglich“, heißt es in der Mitteilung. Eigentümer und Vermieter der Gebäude ist Signa. Zahlreiche Gespräche mit dem Vermieter Signa hätten nichts geändert, auch die Insolvenzen bei Signa nicht, heißt es weiter.

So seien die Mieten im Vergleich zum Geschäftsjahr 2018/19 um fast 37 Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren sollen sie weiter ansteigen, schreibt das Unternehmen. Michael Peterseim, CEO der Kadewe Group, sagt: „Ziel ist es, die Kadewe Group zu schützen. Wir lassen Altlasten hinter uns und streifen vor allem die hohen Mietlasten für unsere Häuser ab. Operativ machen wir einen herausragenden Job […]. Die Indexmieten jedoch sind unverhältnismäßig hoch, sie sind nicht marktüblich – und sollen weiter ansteigen.“

Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ von Dezember beläuft sich die Jahresmiete im Oberpollinger auf 20 Prozent des Umsatzes, im Alsterhaus auf 17 Prozent und im Kadewe auf 13 Prozent. Aus Marktkreisen ist zu hören, dass Mieten von rund 10 Prozent wirtschaftlich zu stemmen sind.

Ursprünglich hatte die Kadewe Gruppe noch Wachstumspläne und sollte bis 2025 um das derzeit im Umbau befindliche Carsch-Haus in Düsseldorf und ein neues Luxuskaufhaus in Wien namens Lamarr erweitert werden.

Wird die Insolvenz zum Befreiungsschlag?

In der Neuaufstellung im Zuge des Insolvenzverfahrens stecke eine große Chance, das Unternehmen auf viele Jahre hin erfolgreich auszurichten, hofft die Gruppe. Durch die Insolvenz hat die Kadewe Gruppe die Möglichkeit, Mietverträge neu zu verhandeln und zu kündigen.

Zudem soll laut verschiedenen Medienberichten auch der Mehrheitseigentümer Central Group ein Auge auf die Luxushäuser geworfen haben und würde eine Komplettübernahme erwägen. Laut dem „Spiegel“ sei die Übernahme schon länger geplant, Central Group wollte Signa die Anteile am Kadewe in Berlin abkaufen, die Parteien seien sich schon „handelseinig“ gewesen.

Doch die Insolvenzanmeldung hätte die Thailänder selbst überrascht. Dennoch soll die Central Group weiter an dem Ziel festhalten, die gesamte Handelsgruppe und das Gebäude in Berlin ganz zu kaufen. Johannes Berentzen, Chef der Handelsberatung BBE, meint: „Für den Mehrheitseigner Central könnte sich eine Insolvenz lohnen, um aus den teuren Mietverträgen auszusteigen.“ Die Immobiliengesellschaften aus dem Signa-Konzern, denen die Immobilien des Alsterhauses und des Oberpollingers gehören, haben bereits Insolvenzanträge gestellt.

Kenner der bisherigen Gespräche gehen laut Spiegel davon aus, dass auch die Kadewe-Immobiliengesellschaft, der das Gebäude in Berlin gehört, ebenfalls bald in die Insolvenz rutschen könnte, wenn keine finanzielle Lösung gefunden wird. Neben dem Handelsgeschäft würden sich die Thailänder dann vermutlich auch die Berliner Immobiliengesellschaft schnappen, schreibt der Spiegel mit Verweis auf Insider. Für die Thailänder würde eine Komplettübernahme nach der Insolvenzanmeldung wohl deutlich günstiger ausfallen.

90-Millionen-Euro-Kredit wackelt

Die Insolvenz bringt auch finanzielle Nachwirkungen mit sich. 2020 hatte das Kadewe im Zuge der Corona-Pandemie eine Ausfallbürgschaft der Länder Berlin, Hamburg und des Bundes in Höhe von bis zu 90 Millionen Euro erhalten. Laut Handelsblatt soll der von der BNP ausgereichte Kredit in diesem Jahr fällig werden. Die BNP wollte das auf Anfrage von DerTreasurer nicht kommentieren. Durch die Insolvenz muss nun voraussichtlich die öffentliche Hand einspringen.

s.backhaus[at]dertreasurer.de