Coface: Höhepunkt der Zahlungsausfälle scheint aber erreicht

11.08.15 08:00

Kreditversicherer stehen in Russland unter Druck

Von Desiree Backhaus

Die Absicherung von Exportgeschäften nach Russland wird für deutsche Treasurer schwieriger. Weil die Zahlungsausfälle in Russland zuletzt stark angestiegen sind, haben Kreditversicherer ihre Vergaberichtlinien verschärft.

Die Kreml-Politik macht Kreditversicherern und Treasurern das Leben schwer.

Krasnevsky/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Kreml-Politik macht Kreditversicherern und Treasurern das Leben schwer.

Das Russland-Geschäft bereitet deutschen Treasurern derzeit großes Kopfzerbrechen: Die Zahlungsausfälle in dem Land sind in den vergangenen Monaten nach oben geschnellt, und damit auch die Entschädigungen, die Kreditversicherer leisten müssen. „Die für russische Risiken geleisteten Entschädigungen haben sich in den ersten fünf Monaten 2015 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi.

Ähnlich erlebt es auch der Wettbewerber Coface: „Die Nichtzahlungsmeldungen sind sprunghaft angestiegen“,  sagt Jochen Böhm, Risk Underwriting Director bei dem Mainzer Kreditversicherer im Interview mit FINANCE-TV. Erschwerend komme hinzu, dass es in Russland zunehmend schwieriger werde, geltendes Recht durchzusetzen und Forderungen per Inkasso einzutreiben. „Das gelang uns in Russland bislang gut.“ Coface bewertet das durchschnittliche Ausfallrisiko eines B2B-Geschäfts in Russland seit dem vergangenen Oktober daher als „hoch“ (Ratingklasse C), das ist die zweithöchste der insgesamt sieben Kategorien. Damit steht Russland zum Beispiel auf einer Stufe mit Kongo oder Argentinien.

Kreditversicherer verschärfen Vergaberichtlinien in Russland

Sowohl Coface als auch Credimundi haben ihre Vergaberichtlinien im für sie ehemals attraktiven  Markt Russland verschärft und auch die Linien zurückgefahren. „Wir stellen seit gut einem Jahr höhere Anforderungen an die Bonität des russischen Abnehmers“, sagt Witte. Komplett aus dem Neugeschäft zurückziehen wollen sich beide Kreditversicherer aber nicht: „Es gibt auch in schwierigen Länder gute Unternehmen“, sagt Böhm. Man müsse eben nur intensiver prüfen und stärker auf den Einzelfall schauen als in anderen Ländern. Er hat aber auch eine gute Nachricht für Treasurer: „Es sieht so aus, als sei der Peak der Zahlungsausfälle erreicht. Wir haben zuletzt einen leichten Trend nach unten verzeichnet.“ Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Coface das Portfolio der versicherten Risiken angepasst habe.

Grund zur Hoffnung gibt auch eine Studie des Personaldienstleisters Kienbaum, der über 70 internationale Unternehmen zu ihren Geschäftserwartungen in Russland befragt hat: Rund die Hälfte der russischen Unternehmen rechnet mit einer wirtschaftlichen Erholung im kommenden Jahr.  55 Prozent der ausländischen Firmen glauben, dass die wirtschaftliche Talsohle in Russland nach ein bis zwei Jahren durchschritten sein wird.

Backhaus[at]derTreasurer.de