Unternehmen vernachlässigen Lieferrisiken

17.11.17 08:55

Lieferkettenrisiken: Folgen für KPIs nicht im Blick

Von Desiree Backhaus

Wie viel Umsatz, Ertrag oder Cashflow kostet es das Unternehmen, wenn ein wichtiger Lieferant ausfällt? Viele Firmen können darauf keine Antwort geben. Sie messen Folgen von Lieferkettenrisiken für KPIs nicht.

Stewart_Sutton/Digital Vision/Thinkstock/Getty Images

Ein Lieferant fällt aus, an Häfen kommt es zu Problemen - Lieferkettenrisiken sind vielschichtig.

Nur wenige Unternehmen quantifizieren den finanziellen Schaden, der durch die Unterbrechung der Lieferkette oder den Ausfall eines Lieferanten entsteht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik und des Softwareanbieters Riskmethods unter 209 Unternehmen, die mehrheitlich zwischen 100 Millionen und 5 Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Demnach nimmt nur gut jeder vierte Befragte eine strukturierte Bewertung der Auswirkungen einer Lieferkettenunterbrechung auf Umsatz, Ergebnis oder andere Finanzkennzahlen vor. Nur 47 Prozent stufen einzelne Lieferanten gemäß ihrer Bedeutung für die Lieferkette ein („Kritikalität“). Als Parameter dafür gelten etwa Substituierbarkeit, die Anzahl der Alternativlieferanten und der Wiederherstellungszeitraum. Die Defizite überraschen insofern, als 71 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette hinnehmen mussten. 13 Prozent berichten sogar von mehr als 20 Störungen.

Lieferkettenrisiken: Monitoring per Excel oder Webrecherche üblich

Ihr Risikomanagement aufgerüstet haben danach aber offenbar nur wenige: Lediglich 5 Prozent der Befragten beschreiben den Automatisierungsgrad der Risikoüberwachung im eigenen Unternehmen als „hoch“. 40 Prozent arbeiten mit Behelfstools wie Excel, jeder Vierte beschafft sich Daten rein manuell per Webrecherche oder auf Zuruf. Entsprechend aktualisiert nur jeder Dritte die verfügbaren Informationen kontinuierlich.

Auch aus Treasury-Sicht ist das eine schlechte Nachricht: Schließlich sind solche Informationen etwa für den Umgang mit Zahlungsrisiken sowie für die Erstellung der Liquiditätsvorschau wichtig. Hier ist das Treasury auf möglichst genaue Informationen aus den operativen Einheiten angewiesen. Ist die Datenqualität dort schlecht, gilt das auch für die Treasury-Prognosen.

Grundsätzlich fließen in die Risikobewertung einzelner Lieferanten in den allermeisten Unternehmen Informationen zu Qualität und Performance (85 Prozent) sowie Finanzkennzahlen und Bonitäten (79 Prozent) ein. Länderspezifische Aspekte wie die politische und wirtschaftliche Stabilität oder Inhaber- und Managementwechsel bei Zulieferern bewertet knapp die Hälfte, Image und Compliance-Schäden 38 Prozent.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Bleiben Sie über Trends im Cash Management, Updates bei der Treasury-Software, Treasurer-Wechsel und alle andere News auf dem Laufenden – mit unserer Xing-Gruppe.