Versicherer fordern angesichts von drohenden Insolvenzen höhere Preise.

Vittaya_24 – adobestock.com

06.07.21
Risiko Management

Preise für Kautionsversicherungen steigen erneut

Die Kautionsversicherer zeichnen tendenziell wieder Risiken. Sie agieren angesichts drohender Insolvenzen aber vorsichtig und erhöhen die Preise, wie eine Analyse des Maklers Gracher ergeben hat.

Die Impfquoten steigen, die Fallzahlen sinken: Wie das tägliche Leben normalisiert sich langsam auch das Geschäft mit Kautionsversicherungen, auch wenn die Coronakrise noch nicht ganz gebannt ist. Das geht zumindest aus der aktuellen Analyse des Kautions- und Versicherungsmaklers Gracher hervor, für die acht große Versicherer befragt wurden. Generelle Einschränkungen in der Zeichnungspolitik gebe es laut Gracher keine mehr.

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Versicherer nun mit voller Macht in Risiken stürzen. „Wir sehen, dass die Kautionsversicherer weiterhin zurückhaltend agieren“, beobachtet Geschäftsführer Alfons-Maria Gracher. „Noch immer hat der Markt ein uneinheitliches Bild von der aktuellen Situation.“

Versicherer rechnen mit steigenden Insolvenzen

Die Versicherer rechnen demnach damit, dass die Risiken von Zahlungsausfällen und Insolvenzen eher steigen. Allerdings seien die Gewinner und Verlierer der Krise inzwischen klarer erkennbar, das Potential für böse Überraschungen sinke, glaubt Gracher. Die Krise sei zwar „längst nicht vorüber“, sie scheine aber berechenbarer als im vergangenen Jahr.

Gleichzeitig dürften die Preise für Kautionsversicherungen wie schon 2020 weiterhin deutlich steigen. Seien sie im vergangenen Jahr in Deutschland um knapp 10 Prozent erhöht worden, so rechnet Gracher für dieses Jahr mit einem weiteren Anstieg um 15 Prozent. Im Bestandsgeschäft teilt sich der Markt stark auf: 50 Prozent der Befragten beobachten eine Verschärfung der Konditionen gegenüber dem Vorquartal; die anderen 50 Prozent hingegen sehen keine oder kaum Änderungen.

„Mit Preissenkungen sollte niemand rechnen.“ 

Alfons-Maria Gracher

Dies sei mit dem „Exposure“ der jeweiligen Versicherung zu erklären. Diejenigen, die kaum durch Corona-Ausfälle betroffen waren, müssen auch nicht groß anpassen, andere dagegen stark.

Konditionen deutlich verschärft

Sehr uneinheitlich zeigt sich das Bild im Neugeschäft. Einige Versicherer haben im Neugeschäft die Konditionen deutlich verschärft. Das hängt wohl auch mit dem Erhebungszeitpunkt der Umfrage zusammen, die jetzt veröffentlicht wurde: Eine wirtschaftliche Erholung in den bisher stark betroffenen Branchen wie Touristik und Handel war im April noch nicht abzusehen. Deshalb hätten Versicherungen diese Wirtschaftszweige auch gemieden. „Mit Preissenkungen sollte niemand rechnen“, warnt Gracher. „Gerade für schlechte Bonitäten kann es deutlich teurer werden.“

Dentz[at]dertreasurer.de

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