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20.12.16
Risiko Management

Regulierung zu Marktmissbrauch trifft auch Hedging-Geschäfte

Die Marktmissbrauchsverordnung soll Insiderhandel eindämmen. Dass auch Industrieunternehmen bei Hedging-Geschäften umfassende Verfahren zur Vorbeugung von Marktmanipulation einführen müssen, ist neu. So legt die Bafin die Regulierung aus.

Marktmanipulation und Insiderhandel werden seit Juli härter bestraft: Damals trat die Marktmissbrauchsverordnung (MMVO) der EU in Kraft, die schärfere Vorschriften für die Ad-hoc-Publizitätspflicht, die Meldepflichten für Geschäfte von Führungspersonen (Directors' Dealings) und die Definition von Insiderhandel festlegt.

Jetzt rückt eine Auslegung der Bafin in den Fokus von Kapitalrechtlern, die empfindliche Folgen für Treasurer hätte: Die Finanzmarktaufsicht hat durchblicken lassen, dass auch Industrieunternehmen zur Vorbeugung und Aufdeckung von Marktmissbrauch bei Hedging-Geschäften verpflichtet sind. Bislang waren Kapitalmarktrechtler davon ausgegangen, dass diese in Artikel 16 der MMVO festgehaltene Pflicht nur für Finanzinstitute gilt.

„Das bedeutet, dass auch Corporates dazu verpflichtet sind, Verdachtsfälle von Marktmanipulation und Insiderhandel bei Hedging-Geschäften aufzuspüren und an die Bafin zu melden“, sagt Katharina Stüber, Senior Associate bei der Wirtschaftskanzlei Allen & Overy. Darunter könnten etwa Rohstoffabsicherungen fallen, die mit dem exklusiven Wissen getätigt werden, dass bald ein Engpass bei diesem Rohstoff droht. Ein anderes Szenario wäre der Abschluss eines FX-Hedges - wohl wissend, dass der Markt aufgrund eines anstehenden, der Öffentlichkeit unbekannten Ereignisses nur ein bestimmtes Volumen aufnehmen kann. „Hat das Unternehmen exklusiven Zugang zu solchen Insiderinformationen, dann kommt ein Insiderhandel in Betracht“, sagt Hans-Christoph Ihrig, Partner bei Allen & Overy.

Bafin lässt Treasurer im Unklaren

Die Folge: Die Treasury-Abteilung muss aufwendige Regelungen und Verfahren einführen, um vorzubeugen, verdächtige Deals zu entdecken und sie anschließend der Bafin zu melden. „Tut sie dies nicht, drohen empfindliche Bußgelder“, sagt Ihrig. Diese können bis zu 2 Prozent des Konzernumsatzes betragen. Allerdings: Anders als etwa bei der Derivateregulierung Emir, deren Einhaltung der Wirtschaftsprüfer sicherstellen soll, ist eine externe Prüfung bei der MMVO nicht gesetzlich vorgesehen. Wenn Unregelmäßigkeiten nach außen dringen, wird es jedoch richtig unbequem für Vorstand und Aufsichtsrat.

Das Problem ist, dass die Bafin ihre Interpretation bislang nicht offiziell veröffentlicht hat und viele Treasurer deshalb nichts davon wissen. „Wir hören, dass die Bafin an einem Update ihres Emittentenleitfadens zur Umsetzung der Regulierung arbeitet“, sagt Stüber. Eine Veröffentlichung im ersten Halbjahr 2017 hält die Rechtsanwältin allerdings für unwahrscheinlich.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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