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27.08.19
Risiko Management

Renminbi: Onshore-Hedging ist attraktiv

Kommt nach dem Handelskrieg zwischen China und den USA nun der Währungskrieg? Standard Chartered glaubt das nicht. Trotzdem verändern sich beim Renminbi-Hedging gerade die Rahmenbedingungen.

Als der chinesische Renminbi zu Beginn des Monats deutlich abwertete und erstmals seit elf Jahren die Marke von 7 Renminbi pro US-Dollar überschritten wurde, war der Aufschrei groß: Die Amerikaner warfen den Chinesen vor, ihre Währung als Vergeltung für die US-Strafzölle zu manipulieren. China wiederum erklärte das Fixing oberhalb der 7-Renminbi-Marke mit Marktbewegungen. „China lässt die Muskeln spielen, um Stärke zu demonstrieren“, glaubt Stephan Schrameier, Head of Financial Markets für Kontinentaleuropa bei Standard Chartered. Inzwischen hätten sich die Wogen aber wieder geglättet: „Eine Panikreaktion an den Märkten ist ausgeblieben. Seit dem zweiten Quartal sind weniger Kapitalabflüsse zu verzeichnen als in den Monaten zuvor.“

Mit einem Währungskrieg rechnet der Banker nicht. Auch in den Finanzabteilungen deutscher Unternehmen würde man die jüngste Abwertung des Renminbi weitestgehend entspannt verfolgen: „Viele Unternehmen haben zu Beginn des Jahres gesichert, bevor die Abwertungsspirale in Gang kam“, beobachtet Schrameier. Die deutlich größere Belastung entstehe durch die Einführung oder die Erhöhung von Zöllen, die in einigen Branchen bereits zu rückläufigen Absätzen führten.

Voraussetzungen für Onshore-Hedging schaffen

Während die Treasury-Abteilung hier nicht gegensteuern kann, gibt es im Hinblick auf das Währungsmanagement durchaus Stellschrauben, an denen sich drehen lässt. So ist die Differenz zwischen dem Offshore- (CNH) und dem Onshore-Wechselkurs (CNY) zuletzt kleiner geworden. „Zwischendurch gibt es immer wieder Zeitfenster, in denen eine Absicherung am Onshore-Markt für Unternehmen sogar günstiger ist“, sagt Schrameier.

Allerdings ist der Abschluss von CNY-Sicherungsgeschäften nicht ohne weiteres möglich: Das Unternehmen muss durch das Vorlegen von Rechnungen nachweisen, dass die Transaktion der Absicherung eines Grundgeschäfts dient. So wollen die chinesischen Regulierungsbehörden Spekulation vermeiden. „Insgesamt hält sich der Dokumentationsaufwand für Unternehmen, die bereits über Onshore-Konten verfügen, aber in Grenzen“, so Schrameier.

Darüber hinaus beobachtet der Banker, dass einige Unternehmen FX-Optionen beimischen, um gegebenenfalls von einer Aufwertung des Renminbi zu profitieren. Optionsgeschäfte spielen in Absicherungsstrategien von Unternehmen in der Regel eine untergeordnete Rolle. In Zeiten steigender Volatilität gewinnen sie jedoch an Bedeutung. In China laufen Optionsgeschäfte jedoch gegen den US-Dollar, was die Komplexität für deutsche Unternehmen erhöht.

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