US-Sanktionen gegen Russland schicken Rubel auf Talfahrt

20.04.18 12:23

Rubel-Krise reloaded oder Mini-Schock?

Von Desiree Backhaus

Der Rubel hat aufgrund der US-Sanktionen gegen Russland drastisch an Wert verloren. Ist das das Vorzeichen für eine neue Rubel-Krise wie Ende 2014 oder erholt sich die russische Währung zeitnah wieder?

Die US-Sanktionen gegen Russland haben drastische Folgen für den Rubel.

iStock/Thinkstock/Getty Images

Die US-Sanktionen gegen Russland haben drastische Folgen für den Rubel.

10 Prozent Wertverlust in nur in drei Tagen: Infolge der von den USA verhängten Sanktionen gegen russische Oligarchen und Unternehmen brach der Rubel Anfang vergangener Woche drastisch ein. Der Preis eines Euro überstieg zwischenzeitlich 80 Rubel. So schwach war die russische Landeswährung zuletzt vor zwei Jahren.

Seither hat sich der Rubel zwar wieder leicht erholt – auch weil US-Präsident Donald Trump seine UN-Botschafterin Nikki Haley einbremste. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien hatte Haley für Anfang dieser Woche bereits eine weitere Verschärfungen der Strafmaßnahmen angekündigt. Darauf verzichtete US-Regierung zwar zunächst, die Angst vor einer weiteren Eskalation bleibt aber.

Erinnerungen an Dezember 2014 werden wach gerufen

Der drastische Wertverfall des Rubels weckt Erinnerungen an den Dezember 2014. Damals hatte die russische Währung innerhalb eines Tages sogar 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Einige Unternehmen wurden davon eiskalt überrascht, andere hatten in den Tagen zuvor zumindest einen Teil des Exposures durch Devisentermingeschäfte gesichert.

Ein Dax-Treasurer berichtete später, im Vorfeld immerhin die Hälfte des Exposures abgesichert zu haben. In ruhigen Zeiten lässt er das Rubel-Risiko dagegen – wie so viele seiner Kollegen – komplett offen. Das Zinsdifferential zum Euro-Raum macht die Absicherung schlicht zu teuer. Daher steht zu befürchten, dass auch dieses Mal wieder einige Unternehmen unter der Rubel-Abwertung leiden werden.

Russische Zentralbank sieht noch keinen Grund zum Eingreifen

Wie geht es nun weiter? Die meisten Experten halten eine Erholung des Rubel in den nächsten Wochen für möglich – sofern sich die geopolitische Lage nicht weiter zuspitzt. Denn anders als 2014 ist der Ölpreis, mit dessen Entwicklung der Rubelkurs eng verknüpft ist, dieses Mal stabil.

Auch die russische Zentralbank hält ihr Pulver dieses Mal trocken. 2014 hatte sie früh mit dem Verkauf von Dollar-Reserven gegengesteuert und sah sich im Dezember dann zu einem radikalen Schritt gezwungen: Sie hob den Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent an. Seit kurzem steht er wieder bei 7,25 Prozent und auch die Devisenreserven haben zugelegt.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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