Treasurer fürchten Nachteile durch neue Regulierung / VDT veröffentlicht Stellungnahme

16.02.12 15:02

Rückendeckung für Moody’s & Co.

Von Markus Dentz

Dürfen Ratingagenturen Unternehmen künftig nur noch eine gewisse Zeit lang bewerten, bevor sie für einen längeren Zeitraum aussetzen müssen? Unternehmen sind beunruhigt und fürchten, dass sie künftig mit schlechteren Agenturen arbeiten müssen.

Kommt ein Rotationsprinzip für Ratingagenturen?

dpa

Kommt ein Rotationsprinzip für Ratingagenturen?

Mit Sorgenfalten schauen viele Treasurer derzeit nach Brüssel. Besonders Unternehmen, die im Anleihemarkt aktiv sind, beunruhigen die Pläne der EU. Kommissar Michel Barnier möchte neue Regeln für Ratingagenturen einführen, die die 2009 verabschiedete Ratingverordnung ergänzen sollen. Dazu zählt ein Rotationsprinzip, demzufolge Ratingagenturen Unternehmen nur eine gewisse Zeit bewerten dürfen. Danach sind sie für einen längeren Zeitraum („Cooling Period“) gesperrt. Das hätte zur Folge, dass neue Agenturen in den Markt kommen, die bei internationalen Investoren kaum akzeptiert sind und deren Qualität im Zweifel schlechter ist. „Die Folgen lassen sich für Unternehmen sehr schwer abschätzen“, meint ein Londoner Banker.

Erstmals haben wichtige deutsche Verbände, darunter auch der Verband Deutscher Treasurer (VDT), zu den EU-Plänen Stellung bezogen – und den Agenturen den Rücken gestärkt. Ihr Hauptvorwurf: Die EU-Kommission stelle „in ihrem Änderungsentwurf pauschal Funktionsdefizite fest“ und formuliere auf dieser „empirisch nicht validen Grundlage weitgehende und umfassende Regulierungsvorschläge“. Zwar teilen die Verbände die Kritik an den Bewertungen für andere Assetklassen wie strukturierte Verbriefungen von US-Immobilienkrediten. Moody’s, S&P und Fitch hätten „zweifellos Fehler gemacht“, doch sei bei den Corporate Bonds kein Marktversagen zu erkennen. Trotzdem bleiben Ratings der Industriestandard für Corporate Bonds. Momentan verstärkt der Trend zur Kapitalmarktfinanzierung eher noch die Neigung, sich raten zu lassen, weil viele Unternehmen nach Alternativen für die Bankfinanzierung suchen. Laut Aussagen von S&P gab es 2011 überdurchschnittlich viele Erstratings.

Zweifel an neuen Ratingagenturen

Durch den erzwungenen Wechsel der Agenturen befürchten die Verbände beispielsweise Rechtsstreitigkeiten bei langlaufenden Verträgen, die an gewisse Ratings gebunden sind. Außerdem öffnet die Rotation den Zugang für neue Agenturen, die nicht über den Erfahrungsschatz wie S&P, Moody’s und Fitch verfügen. In Deutschland hat sich mit der Mittelstandsanleihe ein Segment herausgebildet, in dem heimische Agenturen dominieren. Zweifel bestehen, ob deren Einschätzungen mit denen der drei großen Agenturen mithalten können. Zwar steht dem jungen Markt der Lackmustest noch bevor, erfahrungsgemäß haben sich die Agenturen besonders bei neuen Assetklassen die Finger verbrannt, bei denen sie über keine große Datenhistorie verfügten.

Das letzte Wort ist in Sachen Ratings sicher noch nicht gesprochen. Laut Reuters hat sich aber Klaus Peter Flosbach, finanzpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, jetzt auf die Seite der EU-Kommission gestellt.

Dentz[at]derTreasurer.de