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12.04.18
Risiko Management

Stress am US-Geldmarkt könnte Zinsanstieg in Europa verzögern

Die Geldmarktzinsen im Dollarraum steigen. Unternehmen mit variabel verzinsten Dollar-Finanzierungen bekommen das bereits zu spüren. Für die Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum könnte das aber sogar eine gute Nachricht sein.

Die Zinswende in den USA läuft. Gerade erst hat die Notenbank Fed ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht, zwei weitere Zinsschritte sollen dieses Jahr noch folgen. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen könnten in den kommenden Monaten jedoch stärker steigen als von der Fed angestrebt. Davor warnt die Citibank in einer aktuellen Analyse.

Unternehmen mit variabel verzinsten US-Dollar-Finanzierungen bekommen dies bereits zu spüren. Denn seit einigen Wochen herrscht Stress am Dollar-Geldmarkt. So ist der Libor für dreimonatige Dollar-Kredite seit Jahresbeginn von 1,7 auf 2,3 Prozent geklettert. Dass im gleichen Zeitraum auch die Differenz zwischen unbesicherten und besicherten Dollar-Ausleihungen (Libor-OIS-Spread) deutlich gestiegen ist, sorgt für Verunsicherung: Der Risikoaufschlag, der die kurzfristigen Refinanzierungskosten der US-Banken widerspiegelt, liegt mit 0,59 Prozentpunkten auf dem höchsten Niveau seit der Finanzkrise.

Zwar sieht die Citi - wie die meisten Marktbeobachter - darin kein Misstrauensvotum für den Bankensektor. Die Analysten führen die steigenden Geldmarktzinsen vielmehr auf die US-Steuerreform zurück, die es für amerikanische Konzerne attraktiv mache, ihr im Ausland geparktes Cash nach Hause zu holen. Unternehmen verringerten daher die Laufzeit ihrer Verbindlichkeiten, die US-Zinskurve wird flacher.

Schichten Investoren von Dollar auf Euro-Assets um?

Zur Steuerreform kommen steigende Staatsausgaben und das Tapering der Fed hinzu. Das sorge für ein Abschmelzen der Liquiditätsreserven der US-Banken, so die Citi. In der Folge kämen Dollar-Finanzierungen unter Druck: Zum einen könnten die US-Banken selbst weniger Kredite zur Verfügung stellen, zum anderen dürfte die Liquidität an den Derivatemärkten sinken und US-Dollar-Assets auf Cross-Currency-Basis weniger attraktiv für ausländische Banken werden, warnen die Citi-Analysten.

Für das Gros der deutschen Unternehmen muss das keine schlechte Nachricht sein. Wenn Investoren ihr Geld von Dollar- in Euro-Kredite umschichten, könnte dies die hiesige Zinswende verzögern. „Es ist denkbar, dass die Bedingungen für Euro-Finanzierungen davon profitieren“, meint Sven Döbeling, Anleiheexperte der SEB in Deutschland. Er verweist darauf, dass Investoren seit Anfang des Jahres zwar netto Geld aus Fonds abgezogen haben, die in Euro-Investmentgrade-Papiere investieren. Die Entwicklung in den USA könnte nun eine „leicht dämpfende“ Wirkung auf die Geldflüsse haben, so Döbeling.

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