Treasurer müssen Kontrahentenrisiko im Blick behalten

03.11.14 08:00

Stresstest: CDS-Spreads reagieren kaum

Von Desiree Backhaus

Europas Großbanken haben den Stresstest überwiegend gut überstanden. Das zeigt sich auch in den CDS-Spreads, die sich kaum bewegten. Das Kontrahentenrisiko bleibt dennoch ein Thema, denn wie aussagekräftig die Ergebnisse des Stresstest sind, wird sich erst noch zeigen.

Europas Großbanken haben den Stresstest überwiegend gut überstanden. Das zeigt sich auch in den CDS-Spreads, die sich kaum bewegten.

SeanPavonePhoto/iStock/Thinkstock/Getty Images

Deutsche Banken haben den Stresstest größtenteils souverän bestanden.

Die Ergebnisse des Stresstests sind erst einmal gute Nachrichten für CFOs und Treasurer: Nimmt man die aktuellen Kapitalquoten als Bewertungsgröße, haben alle 25 deutschen Banken die Prüfung der EZB bestanden. Auch in der Eurozone sind alle wichtigen Großbanken durchgekommen. Lediglich 13 kleinere Häuser, vor allem aus Italien, weisen nach aktuellem Stand noch einen Kapitalbedarf von knapp 10 Milliarden Euro aus. Diese Banken mögen für einzelne deutsche Unternehmen eine Rolle spielen, etwa im lokalen Zahlungsverkehr, zu den Kernbanken dürften sie für die überwiegende Mehrheit jedoch kaum zählen.

Dass die Ergebnisse größtenteils den Erwartungen der Märkte entsprachen, zeigt ein Blick auf die Kreditausfallversicherungen der europäischen Großbanken. Hier gab es mehrheitlich nur kleinere Bewegungen. Die fünfjährigen CDS-Spread der Deutschen Bank und der Commerzbank verbesserten sich sogar leicht.

Anders sieht es bei den durchgefallenen Banken aus, hier weiteten sich die Spreads zum Teil erheblich aus – so auch bei der italienischen Monte dei Paschi, bei der sich das größte Kapitalloch aufgetan hatte. Der Spread war allerdings schon in den Wochen vor der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse angestiegen – was dafür spricht, dass der Markt schon mit einem schlechten Abschneiden gerechnet hatte.

Ratingagentur S&P warnt vor Überbewertung der Ergebnisse

Dennoch müssen Treasurer das Kontrahentenrisiko ihrer Kernbanken genau im Blick behalten. Die Ratingagentur S&P hat zwar angekündigt, dass sie nur mit wenigen Ratinganpassungen wegen des Stresstests rechnet. S&P warnte jedoch davor, die Ergebnisse überzubewerten, und verwies auf die Schwächen der Banken, die bestanden haben.

Schließlich konnte die EZB die Ergebnisse maßgeblich beeinflussen: Ein härteres Krisenszenario – etwa durch die Einbeziehung von Deflation oder der Risikogewichtung von Staatsanleihen – hätte zu höheren Kapitallücken bei einigen südeuropäische Banken geführt, meint Nathalie Janson, Finanzmarktökonomin an der französischen Neoma Business School: „Eine Abwicklung dieser Banken oder die Übernahme durch andere Institute, wie in den USA geschehen, würde zur Stärkung der Finanzmarktstabilität beitragen."

Die EZB hat wohl die Chance verpasst, mit einem härteren Stresstest eine heilsame Konsolidierungswelle im europäischen Bankensektor anzustoßen. Denn die chronische Ertragsschwäche der deutschen Banken – die nicht zuletzt durch das Überangebot im Firmenkundengeschäft bedingt ist – kann die Finanzmarktstabilität langfristig ebenfalls bedrohen. Bankfusionen in Deutschland seien vorteilhaft, kommentierte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret den Stresstest.

backhaus[at]derTreasurer.de