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09.07.19
Risiko Management

Unternehmen nutzen Akkreditive häufiger

Ausgerechnet der Handelskrieg treibt die Nachfrage der Unternehmen nach Trade-Finance-Produkten. Die Erträge der Banken im Handelsfinanzierungsgeschäft steigen, die Risiken aber auch.

Das globale Handelsvolumen erreichte mit 18,5 Billionen US-Dollar 2018 einen neuen Höhepunkt. In der Folge legten auch die Erträge der Banken in der Handelsfinanzierung zu, wie die neue jährliche Studie der Bankenkommission der Internationalen Handelskammer (ICC) zeigt: Der globale Trade-Finance-Revenue-Pool wuchs demnach um 11 Prozent auf 48 Milliarden Euro. Dieser Wachstumstrend dürfte sich laut ICC fortsetzen.

Ein Treiber dafür ist laut Daniel Schmand, Leiter des Handelsfinanzierungsgeschäfts bei der Deutschen Bank, ausgerechnet der von den USA angezettelte Handelskrieg: „Im Handel zwischen China und den USA, aber auch zwischen den USA und Europa nutzen die Unternehmen normalerweise keine Absicherungsprodukte.“ Das ändere sich jedoch gerade aufgrund der steigenden Unsicherheit. „Vor allem Akkreditive und Bürgschaften werden stärker nachgefragt.“

Deutsche Bank: Asien und Afrika im Fokus

Hinzu komme, dass einige Unternehmen aus Angst vor einem einbrechenden Handel mit den USA und China neue Absatzquellen suchten – und diese oftmals in Schwellenländern fänden, wo die Risiken höher seien. „Wir erleben eine steigende Nachfrage nach Trade-Finance-Instrumenten, vor allem in Asien sowie in afrikanischen Ländern wie Ägypten, Ghana und Nigeria“, so Schmand.

In den ersten fünf Monaten des Jahres seien sowohl die Umsätze als auch Erträge im Handelsfinanzierungsgeschäft der Deutschen Bank zweistellig gewachsen. „Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzt und wollen unser Netzwerk daher selektiv ausbauen.“ Die Deutsche Bank hatte ihr Korrespondenzbankennetzwerk in den vergangenen beiden Jahren um rund 30 Prozent auf derzeit 1.500 Häuser reduziert. „Das betraf allerdings vor allem Banken, mit denen wir nicht viel Geschäft machen“, so Schmand. Die Länderabdeckung sei gleich geblieben.

Wettbewerb im Trade-Finance-Geschäft steigt

Allerdings wollen auch andere Banken von dem Boom profitieren: Laut ICC-Bericht, der in Kooperation mit der Boston Consulting Group (BCG) entstand, könnten einige Häuser mehr Kapital in den Trade-Finance-Bereich verlagern. Die ING hat sich etwa kürzlich an dem Exportkreditversicherer Aka beteiligt, um in dem Bereich Fuß zu fassen. BCG zufolge dürften die Unternehmen aber kaum vom steigenden Wettbewerb der Banken profitieren. Im Gegenteil: Die Berater rechnen sogar damit, dass die Preise für Handelsfinanzierungen leicht steigen werden, da Banken so ihre höheren Risiken kompensieren wollen. Das ist die Kehrseite der Verlagerung der Handelswegen in Emerging Markets.

Deutsch-Banker Schmand betont: „Wir wollen wachsen, an einem Preiskampf werden wir uns aber nicht beteiligen.“ Zudem verweist er auf die traditionell niedrigen Ausfallquoten im Handelsfinanzierungsgeschäft, die laut ICC für alle Produkte bei deutlich unter 1 Prozent liegen.

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