Politische Risiken in den USA

04.10.13 10:19

US-Haushaltskrise sorgt für Turbulenzen

Von Markus Dentz

Die USA haben mit ihrer Haushaltsdiskussion aufgeschreckt. Die Märkte bewerten die Euro-Krise aber weiterhin deutlich kritischer.

Thinkstock / Getty Images

In Washington ist wieder Zittern angesagt.

Die US-Haushaltskrise ist erneut eskaliert. In der Nacht von Montag auf Dienstag konnten sich die US-Parteien nicht einigen, jetzt setzt der US-Staat zunächst einmal viele Zahlungen aus, solange nicht ganz „lebensnotwendig“. Rund 800.000 Staatsbedienstete mussten in Zwangsurlaub antreten. In Deutschland reagierten bereits Verbände alarmiert auf die Nachricht. „Ich hoffe, dass die Parteien in den USA bald zur Vernunft kommen und ideologisch wieder abrüsten. Mit der Eskalation des Haushaltsstreits schaden die USA nicht nur sich selbst, sondern sie nehmen die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft", sagte etwa Anton Börner, Verband des Groß- und Außenhandels (BGA), gegenüber Handelsblatt Online. Auch DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben reagierte mit großer Sorge und scharfer Kritik auf den Haushaltsstreit in den USA. Das Land sei für die Weltwirtschaft und die deutschen Unternehmen von „herausragender“ Bedeutung. „Die Erholung der Weltwirtschaft darf nicht zum Spielball werden“, sagte Wansleben. Immerhin sei das Land zweitwichtigster Exportabsatzmarkt Deutschlands.

Auf den Finanzmärkten hielt sich die Aufregung allerdings in Grenzen. Im Gegensatz zum Höhepunkt der Euro-Krise im zweiten Halbjahr 2011 bleiben die einschlägigen Indizes relativ ruhig. Laut Moody’s stand VIX bei 16,5. Zwischen August und November 2011 zeigte das „Angstbarometer“ durchschnittlich 34,1 an – also mehr als das doppelte. Der High-Yield-Index CDX steht aktuell bei 399 Basispunkten, während er vor zwei Jahren noch bei 705 Basispunkten rangierte. Globale Aktienindizes gaben leicht nach. Die Stimmung in Europa verschlechterte sich zudem durch den politischen Turbulenzen in Italien, was besonders die Zinsen für zehnjährige Italienische Staatsanleihen nach oben trieb.

Entscheidung Mitte Oktober

Auch aus Sicht von Assetmanagern, die regelmäßig von der Bank of America Merrill Lynch (BofAML) befragt werden,  rangiert die Angst vor einem erneuten Aufflammen der Eurokrise immer noch deutlich vor den US-Schuldenproblemen und der ökonomischen Entwicklung in China. Auch von DerTreasurer befragte Finanzverantwortliche sehen die Herausforderungen momentan eher in den regulatorischen Themen als im Makroumfeld. Das könnte sich bereits Mitte Oktober ändern, denn dann wird die US-Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen US-Dollar erreicht. Eine Zahlungsunfähigkeit der USA steht im Raum, kommt es zu keiner Einigung zwischen Republikanern und Demokraten. Wohl in letzter Sekunde wird es ein Arrangement geben, vermuten etwa die Analysten der VP Bank. Bis dahin ist Zittern angesagt.

 

markus.dentz[at]finance-magazin.de