Trade Finance könnte zum Nadelöhr werden / Versicherungslösungen als Alternative

19.07.12 15:06

Welthandel wächst weiter

Von Andreas Knoch

Die Entwicklung des internationalen Handels gibt deutschen Unternehmen Grund zum Optimismus. Im kommenden Jahr winken besonders in den Schwellenländern satte Wachstumsraten.

Der Welthandel entwickelt sich positiv.

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Der Welthandel entwickelt sich positiv.

Bis 2026 dürfte der hiesige Warenverkehr um durchschnittlich 4,9 Prozent jährlich zulegen. Das prognostiziert die HSBC in ihrem aktuell veröffentlichten Trade Forecast. Verglichen mit 2012 entspricht das einem Zuwachs von 105 Prozent. Zwar bleiben Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und Italien mittelfristig die wichtigsten Handelspartner. Am schnellsten wächst jedoch der Warenaustausch mit den Emerging Markets. „Vor allem China holt gegenüber EU-Exportmärkten seit Jahren rasant auf und belegt inzwischen Rang fünf“, sagt Martin Vetter-Dietz, Head of Trade und Commodity Trade Companies bei HSBC Trinkaus.

Finanzierung wird zum Problemfaktor

Als Nadelöhr könnte sich in den nächsten Jahren aber die Verfügbarkeit von Handelsfinanzierungen erweisen – insbesondere im Geschäft mit Asien. Europäische Banken, traditionell die Platzhirsche unter den Trade-Finance-Anbietern in der Region, ziehen sich angesichts strenger regulatorischer Anforderungen und zunehmender Refinanzierungsschwierigkeiten zunehmend aus dem Markt zurück. Die Lücke im Trade-Finance-Bereich wird teilweise durch regionale Anbieter gefüllt, die von starken Bilanzen und geringeren Regulierungsauflagen profitieren. Laut Dealogic kamen im ersten Quartal 2012 drei der fünf wichtigsten Trade- Finance-Anbieter aus der Region asiatische Banken. Im vergangenen Jahr war nur eine asiatische Bank unter den ersten fünf.

Trade- Finance-Versicherungen werden deshalb von den Banken immer stärker nachgefragt. „In der ersten Jahreshälfte haben wir Versicherungspolicen im Wert von etwa 450 Millionen US-Dollar abgeschlossen; 2011 waren es im selben Zeitraum lediglich 85 Millionen USDollar“, sagt Richard Green, Asia Leader in der Political Risk and Structured Trade Credit Practice von Marsh. Die Policen sind inzwischen deutlich weniger einschränkend und kommen den Banken, sowohl was deren interne Kreditvergabekriterien als auch regulatorische Kapitalanforderungen angeht, deutlich entgegen. Für Unternehmen könnten sich Trade-Finance- Angebote durch die Versicherungslösungen aber verteuern. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, bei der nächsten Exportfinanzierung nach Asien genauer hinzuschauen und neben den etablierten Anbietern vielleicht sogar erstmals regionale Institute zu berücksichtigen.

Knoch[at]derTreasurer.de