Dirk Schreiber, Leiter Treasury bei Fresenius, im Gespräch

05.05.15 08:39

Wie Fresenius FX-Risiken sichert

Von Desiree Backhaus

Fresenius profitiert von der US-Dollar-Stärke, macht sich angesichts der Volatilität an den Währungsmärkten aber dennoch Gedanken. Dirk Schreiber, Leiter Treasury, über das FX-Management des Dax-Konzerns.

Verlässt sich bei der Absicherung von FX-Risiken auf statistsche Modelle statt auf Wechselkursprognosen: der Gesundheitskonzern Fresenius.

Fresenius SE

Verlässt sich bei der Absicherung von FX-Risiken auf statistsche Modelle statt auf Wechselkursprognosen: der Gesundheitskonzern Fresenius.

Angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Währungsmärkten rückt das FX-Management in vielen Unternehmen in den Fokus. Bei Fresenius schaut man schon seit Jahren ganz genau hin: Dirk Schreiber hat bei seinem Antritt als Leiter Treasury im Jahr 2012 das FX-Management als ein sehr wichtiges Thema seiner Abteilung identifiziert. Seit nunmehr fünf Jahren hat das Treasury eine rollierende Liquiditätsplanung im Einsatz, auf dessen Basis es FX-Risiken ermittelt: Die weltweiten Gesellschaften von Fresenius melden quartalsweise ihre erwarteten Zahlungsströme für die kommenden 15 Monate an das Konzern-Treasury in Bad Homburg. Dort werden die Positionen gegeneinander aufgerechnet (Netting) und ein konzernweites FX-Exposure für die verschiedenen Währungspaare errechnet.

Dabei verfolgt das Unternehmen einen statistischen Ansatz: Es steuert das FX-Risiko anhand des Cashflow at Risk. Diese Kennzahl beschreibt die negative Abweichung von einem geplanten Ergebnis aufgrund von Wechselkursänderungen. Bei Fresenius betrug der Cashflow at Risk zum Jahresende 2014 rund 50 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent wird ein möglicher Verlust aus Wechselkurs-änderungen höchstens 50 Millionen Euro betragen. „Bei einem Ebit von rund 3,2 Milliarden Euro ist das ein kleiner Betrag“, sagt Schreiber. „Das zeigt, dass Fresenius nur sehr geringen Transaktionsrisiken ausgesetzt ist.“

Wechselkursprognosen interessieren Fresenius nicht

Dirk Schreiber, Treasury-Chef bei Fresenius

Dirk Schreiber, Treasury-Chef

Schreiber räumt ein, dass man diesen statistischen Ansatz kritisieren kann, weil die Treasury-Abteilung zur Berechnung des Cashflow at Risk historische Daten der Volatilität und der Korrelation der Währungen zurate zieht: „Es ist aber ein gut fundierter und objektiver Ansatz, um Risiken zu quantifizieren und subjektive Einschätzungen zu eliminieren“, sagt der Leiter Treasury und fügt noch eine Spitze an die Adresse der Devisenexperten hinzu: „Es gibt so viele unterschiedliche Prognosen, wie sich etwa der Wechselkurs Euro-Dollar in den kommenden Monaten entwickeln wird. Wem soll ich da Glauben schenken?“ Fakten statt Meinung lautet die Devise.

Schreiber sieht daher keinen Grund, das FX-Management angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Währungsmärkten grundsätzlich zu überdenken. Allerdings: „Die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt zeigen, dass auch extreme Kursbewegungen einbezogen und eingeordnet werden müssen“, so der Treasury-Chef. Diese würden im Cashflow-at-Risk-Modell über die historischen Marktdaten nur begrenzt berücksichtigt und müssten daher begleitend etwa über Sensitivitätsanalysen überwacht und evaluiert werden.

Fresenius sichert etwa die Hälfte des FX-Exposures

Die Exposures mit den größten Risikobeiträgen sichert Fresenius im Schnitt zu 50 Prozent  über Sicherungsinstrumente ab – bei einigen Währungspaaren ist es mehr, bei anderen weniger. „Wir haben aber keine starren Limite für das Hedge Ratio einzelner Währungspaare sondern nur für den Cashflow at Risk des Konzerns“, sagt Schreiber. Bei dieser Steuerungsmethode gebe es einen gewissen Spielraum in den Sicherungsquoten: „Wenn die Volatilität einer Währung steigt, wird das entsprechend reflektiert: der Cashflow at Risk steigt und wir sichern mehr ab.“

Viel mehr als von Transaktionsrisiken ist Fresenius von Translations-, also reinen Umrechnungseffekten betroffen: „Wir haben ein starkes US-Geschäft. Dort haben wir im Moment dank des starken Dollars natürlich erheblichen Rückenwind“, so Schreiber. „Sinkt der Euro in Dollar gerechnet um einen US-Cent im vollen Jahresdurchschnitt, gewinnen wir etwa drei Millionen Euro beim Konzernergebnis hinzu. Läge der durchschnittliche Eurokurs im laufenden Jahr also bei 1,16 Dollar statt bei 1,32 Dollar wie 2014, so ergäben sich rund 50 Millionen Euro zusätzlicher Gewinn für den Konzern – allein aus der Umrechnung der US-Gewinne in Euro.“

Diese Umrechnungseffekte sichert Fresenius aber nicht über Hedging ab, sagt Schreiber: „Sie haben letztendlich keinen Einfluss auf unser Geschäft haben.“ Er beschreibt damit den breiten Konsens in der Unternehmenswelt: Wenn kein Cash fließt, wird nicht abgesichert.

Backhaus[at]derTreasurer.de